Alpen 2015

Eine Tour über und durch die Westalpen kann man auf verschiedene Arten beschreiben. Für den einen steht die sicher schönste Berglandschaft Europas im Vordergrund, für den anderen die Wanderungen durch weite Täler und der Besuch historisch interessanter Städte oder Forts.
Einige wollen mit Autos, Motorrädern und Fahrrädern die bekannten und berühmten Offroad-Tracks bewältigen und bis zum höchsten anfahrbaren Punkt des Gebirges auf 3.000 m Höhe vordringen. Wir haben uns einen Mix von Allem vorgenommen, wobei die meisten Routen nach dem Roadbook unserer sehr geschätzten „Weltenbummlerkollegen“ von Pistenkuh (Burkhard und Sabine Koch) im Mittelpunkt der drei Wochen stehen sollen. Wir denken, dass mit einem chronologischem Bericht am Ehesten der Charakter dieser von Eindrücken gespickten Tour deutlich wird. Einige, sicher laienhafte Hinweise, die sich aus technischen Problemen ergaben, haben wir für Autobegeisterte mit erwähnt.

Vielleicht können wir wieder ein paar Anregungen für eigene Reiseplanungen geben. Versuchen wir es.

18.07.

Wir erreichen Italien über den St. Bernardo-Pass und fahren weiter Richtung Aostatal. In Aosta selbst folgt eine kurze Besichtigung des Städtchens. Für geschichtlich Interessierte bieten sich vor allem Sehenswürdigkeiten aus der Römerzeit: römische Stadtmauern, Tore, Theater und Triumpfbogen. Auf jeden Fall lohnt sich die Besichtigung der Ruinen des Teatro Romano, Ausgrabungen aus dem 1. JH vor Christus. Darüber hinaus bietet die Stadt eine schöne Fußgängerzone. Da wir heute nicht mehr lange suchen wollen, übernachten wir auf einem Wohnmobilstellpatz in Fenis.

19.07.

Am Morgen besichtigen wir das Castello di Fenis, eine mittelalterliche Burg, die über dem kleinen Städtchen tront. Im Val Tournenche machen wir eine kleine Wanderung am Lago Blu entlang mit spektakulärem Blick auf den Matterhorngipfel (4.478 m). Der Ort Breuil Cervinia liegt in einem der wichtigsten Skigebiete Italiens und wirkt ein wenig wie St. Moritz. Wir fahren weiter durch das Val di Gressoney, sehen die Burg Forte di Bard im gleichnamigen Ort hoch oben auf einem wuchtigem Felsen thronen. Kurz vor dem Ort Gressoney-Saint-Jean eröffnet sich erstmalig der Blick auf das imposante Monte Rosa-Massiv. Wir übernachten auf einem Wohnmobilstellplatz am Gebirgsbach Lys in Gressoney-Saint-Jean. Hier macht gerade der FC Turin sein Trainingscamp – ein schönes Plätzchen.

20.07.

Wir fahren weiter nach Staffal am Ende des Tales. Dieses wirkt im Sommer etwas einsam, soll aber ein wichtiger Wintersportort sein und ist allemal ein reizvolles Wandergebiet. Dann geht es im Tal zurück mit Kurzbesichtigungen von Fontainmore und Pont St. Martin mit interessanten begehbaren römischen Brücken über die Lys. Einer Fahrt durch das Val di Viu folgt der Einstieg zu unserem ersten Offroad-Track, dem Colle del Colombardo. Auf einer gut zu befahrenden Schotterpiste mit einigen Auswaschungen folgen wir der Route bis zum Pass mit einer aus Stein gemauerten Kirche auf 1.890 m. Hier finden wir für heute eine schöne Campstelle.

21.07.

Wir fahren den Colle del Colombardo auf einer Erd- und Geröllpiste weiter bis zum höchsten Punkt der Tour auf ca. 2.090 m. Leider bietet sich durch die tief ziehende Wolken heute kein sonderlich guter Ausblick. Im Susatal geht es weiter in Richtung Susa und Avigliana. Ein Muss ist sicher die Besichtigung der monumentalen Sacra di San Michele, einer tausend Jahre alten Abtei, die auf dem 962 m hohen Monte Pirchiriano thront. Von außen imposant anzusehen, kann man sich die Innenbesichtigung eher schenken, es sei denn, man ist absoluter Fan des Innenleben einer Kirche. Viel Neues gibt es, zumindest für uns, nicht zu sehen.

Wir fahren weiter über Susa in Richtung Frankreich zum Col du Mont Cenis und finden den Einstieg in die Offroadpiste Col de la Met. Diese ist ein schöner steiler Offroad-Trail mit z.T. enger Geröllpiste und starker Steigung. Wir fahren einige extrem enge Kehren mit notwendigen Reversieren bis an den Rand des Abgrundes bzw. bei der Rückfahrt auch an die Felswand. In diesen Situationen ist der Track auch für geübte Fahrer anspruchsvoll und wir holen uns den 1. Kratzer am Heck – Taufe!!! Am höchsten Punkt auf ca. 2.750 m genießen wir, trotz aus dem Tal schnell hochziehender Wolken, einen schönen Panoramablick. Annett versucht, zwischen den Wolkenlücken zu fotografieren, während ich Kocher und Heizungen in der Höhe teste. Stand- und Luftheizung funktionieren mit Höhenkit bestens, ebenso prima der Spirituskocher außerhalb und der Gaskocher innerhalb des Autos. Nur die Gasfeuerzeuge mit piezoelektrischer Zündung mögen die Höhe wohl nicht und verweigern ihren Dienst. Mit den Streichhölzern ist es ebenfalls recht mühsam – Zeit zur Anschaffung eines Benzinfeuerzeugs mit Feuerstein. Zurück am Col du Mont Cenis finden wir eine schöne Campstelle am Lac du Mont Cenis.

22.07.

Am Morgen steigen wir in den Track Col du Petit Mont Cenis ein, spazieren aber zunächst noch zum Fort de Variselle mit schönem Blick über den Lac du Mont Cenis. Danach fahren wir zunächst fast nur Teerpiste, die letzten 2 km dann steile Geröllpiste bis ca. 2.250 m. Hier öffnet sich vor uns ein schönes Bergpanorama. Dann erfolgt die Talfahrt wieder in Richtung Susa. Trotz permanentem Einsatz der Motorbremse ist bei den steilen Serpentinenabfahrten ein Zubremsen nicht zu vermeiden. Im Ort versagen dann die Bremsen, durch Überhitzen ist Luft im System. Auf dem Parkplatz des Supermarktes gelingt ein Entlüften. Gott sei dank, noch ohne manuelle Entlüftung an jedem Bremszylinder. Dennoch darf das meiner Meinung nach nicht passieren, also sollten später hitzeresistentere Bremsen ans Auto, falls es diese gibt. Nun funktionieren diese zunächst wieder und es erfolgt die Auffahrt zum Colle delle Finestre , 45 enge Kehren bis zur Passhöhe auf ca. 2.170 m. Hier haben wir einen Überblick auf die gefahrenen Serpentinen. Da die Weiterfahrt über die Assietta-Kammstraße heute gesperrt ist, nehmen wir eine klein geröllige Verbindungspiste zum Rifugio Selleries, einer sogenannten Schutzhütte, aber wohl eher einer kleinen Pension auf ca. 2.030 m. Hier auf dem Parkplatz finden wir einen passablen Platz zum Übernachten – denken wir….

23.07.

….zum Schlafen sind wir kaum gekommen – die Schäferhunde, die den Kuhhirten der benachbarten Weiden beim Führen der Kühe zur Hand gehen, bellten unaufhörlich die ganze Nacht – warum auch immer. Während unseres Frühstücks morgens gegen 07.00 Uhr liegt dann einer von ihnen völlig erschöpft vor unserem Heck und schläft selig mit langgestreckten Beinen – wir sind müde, na prima.
Wir fahren bei nur geringer Bewölkung die Piste Richtung Colle delle Finestre zurück und biegen dann auf den Track der Assietta-Kammstrasse ein. Die teils grob, meist aber klein geröllige Piste mit einigen Auswaschungen führt uns an dem Felshang entlang hinauf bis zum Colle dell’ Assietta auf 2.475 m. Hier begegnen uns dann doch einige deutsche und vor allem schweizer Geländewagenfahrer und wir müssen uns zum Fotografieren bzw. zum Ausweichen des Gegenverkehrs doch mal sehr nah an die Felswand bzw. an den Abgrund wagen. Einige Italiener fahren die Strecke recht mühselig auch mit dem einfachen PKW, kennen offenbar keine Gnade mit sich und ihren Autos. Zum Teil haben wir bei guter Fernsicht grandiose Ausblicke in die Täler und auf die fernen, z.T. schneebedeckten Bergspitzen. Den höchsten Punkt der Strecke erreichen wir bei 2.543 m (Testa dell’ Assietta). Über 2.500 m sind wir kurz danach noch einmal am Monte Genevris. Auch während der Abfahrt genießen wir die tolle Aussicht. Nach einer kurzen Talfahrt Richtung Westen steigen wir im Ort Claviere in den Track Colla Bercia ein. Auf einer einfach zu befahrenden Geröllpiste fahren wir noch bis zum Lago Nero auf über 2.000 m und finden hier eine schöne versteckte Campstelle.

24.07.

Es folgt eine ruhige Nacht, die wir umgeben von aufmerksamen Murmeltieren, verbringen. Am Abend nahmen sie uns mit Warnschreien zur Kenntnis. Dann wurden wir aber offenbar als ungefährlich eingestuft und sie tollten weiter umher.

Wir fahren den Track Colla Bercia weiter und machen nach ein paar Kilometern zunächst noch eine kleine Bergwanderung mit einem grandiosen Blick zum Mont Chaberton (3.136 m) und auf die gegenüberliegende Bergkette. Der weitere Track ist relativ grobsteinig und z.T. mit tieferen Auswaschungen versehen und wird so noch zur schönen Offroad-Strecke. Wir fahren jetzt über Briançon nach Süden über den Col de Izoard (2.360 m) mit steilen Serpentinen und danach aus dem Tal noch einmal ein Stück steiler nach oben über den Col Agnel (2.744 m) bis nach Sampeyre. Schon vor Sampeyre beginnen Gewitter und Starkregen, der aber später nachlässt, so dass wir uns doch entschließen, zum Übernachten in die Berge zu fahren. Wir wagen also trotz der düsteren Wolken den Anstieg zum Colle di Sampeyre (2.284 m) und wir haben Glück. Die Wolken sind am Pass ein wenig aufgelockert und nach dem Gewitter haben wir einen fantastischen 180°-Fernblick auf die Bergketten, z.T. mit Wolken unter uns in den Tälern. Außerdem finden wir auf einer Freifläche einen wunderschönen Übernachtungsplatz, der allerdings relativ ungeschützt ist. Deshalb bleibt diese Nacht das Dach mal unten.

25.07.

Das unten gelassene Dach war die richtige Entscheidung, denn nachts gibt es teilweise sehr starke Windböen mit Gewitter und Regenschauern, so dass wir alle Fenster schließen müssen. Ohne Aufstelldach wackeln die 3,5 t aber nur sehr dezent. Die fast zum Greifen nahe über uns ziehenden Gewitterwolken sind ein einmaliges Naturschauspiel, genau wie das darauffolgende intensive Wetterleuchten und dann der folgende sternenklare Himmel. Die Wetterwechsel erfolgen hier oben erstaunlich schnell. Der Morgen ist dann kalt, aber locker bewölkt. Wir fahren zunächst die Varaita-Maira-Kammstrasse zum Colle della Bicocca (2.295 m) auf klein gerölliger einfacher Schotterpiste mit tollem Bergpanorama. Von dort genießen wir die Aussicht und fahren dann die gesamte Varaita-Maira-Kammstrasse in entgegengesetzter Richtung zurück mit ebenso tollen Blicken auf das Bergpanorama und die wolkengefüllte Po-Ebene. Die Piste wird unterwegs recht schmal mit groben Geröll, Felskanten ragen oft in den Weg hinein. Bei Gegenverkehr muss man für eine Ausweichstelle relativ lange reversieren oder sehr nah an die Felskante bzw. den Abgrund heran manövrieren – Spiegel jeweils angeklappt. Für Fahrzeuge über 2 m Breite ist die Passage nicht zu empfehlen.
Am Ende der Kammstrasse fahren wir weiter nach Osten und parken im Zentrum des Städtchens Manta. Von hier starten wir zu Fuß in Richtung Saluzzo, das wir nach 2 Stunden und einigem „Verlaufen“ erreichen. Der ca. 17.000 Einwohner zählende Ort hat eine autofreie, sehenswerte Altstadt aus dem Mittelalter. Den Rückweg kürzen wir dann aufgrund der Hitze über die Landstrasse ab und entschließen uns zum 2. Mal am Colle di Sampeyre zu übernachten, zum einem wegen der tollen Natur, zum anderen wegen der kühlen Nächte auf fast 2.300 m.

26.07.

Wir fahren den Colle di Sampeyre wieder hinab und Richtung Castello, von wo wir eine Bergwanderung von etwa 3 h Dauer starten. Sie führt relativ steil auf schmalen, steinigen Pfaden bergauf zu 2 Bergseen in ca. 2.000 m Höhe durch den berühmten Zirbelkieferwald Bosco dell’ Alevè.
Gegen Mittag fahren wir weiter im Valla Varaita in das Städtchen Chianale (1.800 m). Jahrhunderte alte Höfe aus dem Mittelalter bilden hier das Abbild einer noch gut erhaltenen uralten Siedlung. Schiefergedeckte Dächer, grau in grau gehaltene Hauswände (die Häuser sind alle bewohnt!) und sehr enge Gassen führen uns in die damalige Zeit zurück. Eigentlich eine tolle Kulisse für mittelalterliche Filme. Unser nächstes Ziel ist die berühmte Maira-Stura-Kammstrasse, die wir von Süden her bewältigen wollen. Daher fahren wir noch ca. 80 km südwärts nach Demonte, wo wir auf einem Campingplatz übernachten und morgen in den Track einsteigen wollen.

27.07.

Die Maira-Stura-Kammstrasse beginnt mit einem Aufstieg über ca. 20 km bis zum Colle Valcavera (2.420 m). Von dort geht es über grobsteinige, teilweise sehr enge Schotterstraßen weiter durch eine bizarre Gebirgslandschaft, die immer wieder tolle Fotomotive bereithält. Wir haben zudem sonniges Wetter und vor allem eine relativ klare und weite Sicht. Wir fahren die Strecke weiter über den Colle d’ Ancoccia und finden sowohl steinige, als auch erdige Strecken mit tiefen, breiten Spurrillen. Hier sind eine gute Bodenfreiheit und ein geübtes Auge für die richtige Spur von Vorteil. Auch auf diesem Streckenabschnitt zeigen sich immer wieder tolle Bergpanoramen. Wieder im Maira-Tal fahren wir weiter nach Osten in das Städtchen Dronero, welches wir uns kurz ansehen. Über die Maira führt hier die Brücke Ponte di Diavolo, die der Sage nach, der Teufel selbst gebaut hat. Der Preis sollte die erste Seele sein, die sich hinüberwage. Die findigen Dorfbewohner trieben daraufhin eine Katze über die Brücke….
Nahe Dronero im Parco Naturale dei Ciciu del Villar machen wir noch eine kurzen Spaziergang durch bizarre Steinformationen, die über Jahrhunderte pilzartig geformt sind – sicher kein „must have“.

Von dort geht es weiter in Richtung französische Grenze nach Süden. Wir warten 25 min vor dem Tende-Strassentunnel und wollen kurz nach ihm noch in den Track zum Col de Tende aufsteigen. Daraus wird nichts. Leider ist die Auffahrt gesperrt, so dass wir umplanen müssen. Wir fahren also bis nach Tende hinein und steigen von dort in den Track in umgekehrter Richtung ein, da wir ungern im Tal übernachten wollen. Leider ist es schon ziemlich spät und die jetzt folgende Auffahrt mit vielen sehr engen Kehren, an denen fast immer reversiert werden muss, ist kein Vergnügen. Dazu kommt eine extrem enge Strasse in schlechtem Zustand mit tiefen Schlaglöchern und zum Teil grobes Geröll auf dem Weg. Hier finden wir unterwegs keinen Schlafplatz und kämpfen uns weiter nach oben bis wir gegen 20.00 Uhr den Baisse d’ Ourne (2.040 m) passieren. Hier oben finden wir endlich eine passable Campstelle….

28.07.

Wir fahren die Route weiter bis zum Fort de la Marguerie über eine klein geröllige Schotterpiste. Hier haben wir 2009 schon einmal gecampt. Kurz danach erreichen wir das Fort Central. Von beiden Forts haben wir einen tollen Ausblick, auch auf die vielen Serpentinen, die hier hinaufführen. Die geteerte Serpentinenstrasse nach unten führt direkt wieder zum Beginn des Tende-Strassentunnels auf italienischer Seite. Wir passieren den Tunnel erneut und biegen in St.Dalmas de Tende in Richtung Ligurischer Grenzkamm ab und folgen dem Track hinauf zunächst bis zum Col Linaire (1.440 m). Der Grenzkamm selbst beginnt dann auf über 1.750 m und führt über eine teils schmale, sehr grob schottige und z.T. sehr steinige Piste mit queren Auswaschungen zwischen den Steinen. Die Stoßdämpfer müssen Schwerstarbeit verrichten, können aber ein Durchschütteln über viele Kilometer nicht verhindern. Will man auf bestimmten Streckenabschnitten Gegenverkehr ausweichen, muss man sich sehr nah an den Felsen drücken oder bis an den Abgrund heran manövrieren. Zwei Meter Breite empfinden wir schon als recht grenzwertig…. Leider haben wir nur kurz einen Ausblick über die hier sehr grüne Bergwelt, weil wir oft in den Wolken fahren. Die Sicht ist zeitweilig unter 20 m. Wir fahren entlang der Strecke durch zwei Tunnel, die Galleria Buia (450 m lang) und schließlich dem Scheiteltunnel des Colle del Garezzo (auf 1.770 m Höhe). Nach der Abfahrt im Tal fahren wir wieder Richtung Turin und Valle Stura.

Auf der Strasse bemerken wir jetzt bei höheren Drehzahlen ein Stottern des Motors und deutlichen Leistungsabfall. Wir halten bei nächster Gelegenheit. Der Luftfilter erscheint noch sehr jungfräulich, Kraftstoffvorfilter noch relativ sauber, auch der Ladedruck des Turboladers baut sich gut auf?! Ein Telefonat mit unserem Toyota-Spezialisten: Austausch des Dieselfilters empfohlen, da Motor offenbar zu wenig Kraftstoff bekommt, aber nach noch nicht einmal 10.000 km? Und ohne wesentlichen Dreck im Vorfilter? Es ist schon spät und noch fährt der Wagen. Wir übernachten zunächst wieder auf dem kleinen Campingplatz in Demonte.

29.07.

Wir folgen dem Rat des Fachmannes und tauschen vormittags den Dieselfilter aus und reinigen auch den Vorfilter mit. Ich habe eher die Dichtheit des Letzteren im Verdacht – vielleicht ist doch Luft ins System gelangt… Der Luftfilter wird gleich mit getauscht, obwohl er nur wenig verschmutzt erscheint…. Was darüber hinaus auffällt, ist ein Motorölstand in der Nähe von „Low“, vor einem Tag hatte er noch fast bei „Full“ gestanden. Hat der Motor während der Phasen des Leistungsabfalls soviel Öl verbraucht? Lecks finden sich nicht. Öl wird ca. ein Liter nachgefüllt. Nach diesen Maßnahmen läuft der Motor ab jetzt wieder ohne Probleme! Alter Luft- und Dieselfilter werden zur Begutachtung mitgenommen. Wir fahren wieder über den Pass nach Frankreich und biegen beim Örtchen Meyronnes in den Track zum Col de Mallemort ein. Hier geht es auf einer groben Schotterpiste in sehr engen Kehren steil nach oben, ständig muss z.T. bis zum Abgrund bzw. dem Felsen reversiert werden. Schließlich fahren wir durch dichten Wald und die Strasse wird so eng bzw. die Zweige hängen so tief, dass ein Weiterfahren unmöglich wird. Einige Kratzer an der Seite und am Dach sowie leichte Beschädigungen an der Dachboxplane sind leider die Folge. Wir müssen ein ganzes Stück rückwärts fahren und reversieren uns dann mühselig ins Tal. Die Strecke ist derzeit nur für kurze und flache Geländewagen zu empfehlen bzw. ohne deutlichere Schäden befahrbar. Da das Auto wieder seinen Dienst tut und wir gerne wieder im Gebirge übernachten würden, biegen wir in Meyronnes zur Route Roche la Croix ab.

Auch hier müssen wir bergauf in steilen Kehren zunächst reversieren, fahren dann aber auf breiteren Schotterwegen in Nadelwald weiter bergauf. In ungefähr 1.900 m Höhe erreichen wir das Fort Inferieur, eine alte verfallene Militäranlage, von wo wir trotz vieler Wolken einen schönen Talblick genießen können. Hier finden wir auch die gesuchte Campstelle. Schluss für heute.

30.07.

Wir machen zunächst eine kurze Wanderung zum Fort Supérieur auf 2.100 m, welches ebenso verfallen ist. Danach verlassen wir Roche de Croix auf Geröllpisten talwärts und fahren zunächst ein Stück nach Südwesten in die Stadt Barcelonette zum Einkaufsstopp. Danach beginnen wir den Einstieg in die Route Col de Parpaillon in La Condamine-Châtelard. Auf einer Hinweistafel steht, dass der Scheiteltunnel geschlossen ist. Wir fahren trotzdem in engen Schotterkehren bergauf und erfahren kurz darauf von einem entgegenkommenden deutschen Defenderfahrer, dass der Scheiteltunnel erst seit ein paar Stunden wieder geöffnet ist. Er war wohl vorher eine Woche wegen Steinrutschen aufgrund leichter Erdbeben geschlossen. Also Glück gehabt. In der Nähe des besagten Tunnels (auf 2.640 m) haben wir sehr schöne Ausblicke auf die Gebirgswelt, auch wenn es heute recht bewölkt ist. Dafür ist die Fernsicht sehr gut. Hinter dem Tunnel treffen wir eine geführte deutsche Offroad-Tour mit mehreren Fahrzeugen. Sonst ist es auf dem gesamten Track bis auf einige Mountain-Biker recht wenig befahren. Nach dem Tunnel schieben wir eine Bergwanderung von fast 2 Stunden ein, die uns weitere tolle Panoramablicke auf die fernen Gipfel und ins Tal auf den See Lac de Serre-Ponçon bietet.

Wenig später finden wir auf etwa 2.200 m Höhe eine schöne Campstelle. Allerdings wird es hier im Laufe des Abends recht kalt, so dass wir nicht lange draußen sitzen können.

31.07.

Auch am Morgen ist es noch sehr kalt, geschätzt 6-8 Grad, und wir frühstücken lieber im Auto. Heizen können wir allerdings nicht mehr, die Versorgungsbatterie hat trotz täglichen Ladens zu wenig Kapazität. Defekt schon nach knapp 2 Jahren? Es ist wirklich schlimm, nichts hält heutzutage mehr das, was versprochen wird. Hauptsache, sie versorgt noch den Kühlschrank bis zum Ende der Tour….

Wir fahren die Route auf Schotter und später Teer in Serpentinen ins Tal an den See Lac de Serre-Ponçon, welcher der größte Stausee Europas ist und für einen Kunstsee erstaunlich natürlich und einladend wirkt. Wir fahren die Uferstrasse in endlosen Kurven in Richtung Südwesten, der See wird von mächtigen Berggipfeln umrahmt. Bei den Demoiselles coiffees wollen wir uns noch einmal bizarre, mit Felshauben gekrönte Erdsäulen, ansehen. Auch diesmal werden wir mehr oder weniger enttäuscht, da diese auf dem offiziellen Besichtigungsplateau kaum zu sehen sind. Ein Ausflug hierher lohnt sich also kaum. Dafür umso mehr die schöne Strecke um den See, der in aquamarinblau schimmert. Wir fahren nach Embrun. Der auf einer Felsenterasse gelegene Ort war früher Bischofssitz, woran noch die imposante Kathedrale erinnert. Kleine schattige Gässchen in der Altstadt laden zum Bummeln ein, was wir auch ausgiebig tun. Später finden wir einen weitläufigen Campingplatz nahe am Lac de Serre-Ponçon, auf dem wir mal 2 Nächte bleiben wollen. Er ist nach unserer Einschätzung zu mindestens 90 % von Niederländern belegt….

01.08.

Heute ist es zum ersten Mal den ganzen Tag sehr stark bewölkt und regnerisch. Am Vormittag laufen wir zunächst noch im Trockenen ein Stück am Lac de Serre-Ponçon entlang. Viele Camper, aber auch erstaunlich große Expeditionsfahrzeuge, haben sich hier einfach in die „Büsche“ geschlagen und campen in den kleinen Waldstücken am steinigen Geröllufer. Sicher über 50 Surfbretter liegen im Wald umher und warten bei Wind auf ihren Einsatz, von den Inhabern keine Spur. Bei uns in Deutschland wohl kaum denkbar. Bei uns würde man sagen, sie campen „schwarz“, hier wird das zumindest geduldet. Ein bisschen mehr Freiheit also hierzulande, auch in Italien, zumindest (bisher…) in den Alpen. Weniger Verbote würden uns in Deutschland manchmal auch ganz gut zu Gesicht stehen…
Am Nachmittag entschließen wir uns, am Seeufer entlang doch, noch nach Embrun zu laufen. Die 4 Kilometer ziehen sich ganz schön… Dafür essen wir hier nach etwas Warten (die meisten Gaststätten öffnen erst ab 19.00 Uhr) gut zu Abend und warten einige kräftige Regenschauer ab. Aber es hilft nichts, auf dem Rückweg zum Campingplatz werden wir doch noch nass…. Dafür zeigt sich nach dem Auflockern der Wolken Embrun in einem ganz besonders schönen Abendambiente.

02.08.

Nach einem Morgenspaziergang am heute sonnigen See und dem weitgehenden Trocknen der Ausrüstung fahren wir weiter und besichtigen zunächst Abbaye de Boscodon, ein Dominikanerkloster, dessen Geschichte bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Danach geht es weiter Richtung Norden zum Einstieg in die Route Col del Valbelle, die wir vom Ferienort Risoul (1.900 m) beginnen. Wir folgen der z.T. recht ausgewaschenen Erdpiste bis zum Col del Valbelle (2.390 m) und haben von hier ein wunderschönes Bergpanorama bei besten Sonnenwetter. Wir folgen der Route nicht ins Tal, sondern fahren weiter nach oben zu einer der Sesseliftstationen, bei der wir eine gerade, geschützte Campstelle mit tollem Ausblick finden.

Während Annett in der Gegend rumwandert und die Aussichten genießt, versuche ich mich, aufgrund der bestehenden Technikprobleme, kundig zu machen.

Für technisch Interessierte: Die Probleme mit der Versorgungsbatterie bleiben, heute war sie trotz Ladung durch Lichtmaschine und Solaranlage, tiefentladen (zumindest wird das angezeigt) und das Bordsystem- Kühlschrank, Ladegeräte usw. haben mitten in der Mittagsonne ihren Dienst eingestellt. Entweder die Batterie ist wirklich völlig im Eimer oder das IBS-System funktioniert nicht richtig… In der Bedienungsanleitung IBS steht, bei Problemen mit der AUX-Batterie soll man die automatische Link-Funktion abstellen, um die Lichtmaschine zu schützen… warum auch immer. Dem bin ich jetzt nachgekommen und die beiden sind entkoppelt. Mal sehen, wie das Spielchen weitergeht… Es geht ja schließlich auch ohne Kühlschrank und Licht. Essen wir halt heute die Wurst und den Joghurt noch auf, auch nicht schlecht. Und Kerzen für die Beleuchtung sind auch da…

Technik macht grundsätzlich nur Spaß, wenn sie reibungslos funktioniert. Meinen alten Toyota, den ich nach der Wende gekauft hatte (noch Made in Japan!), habe ich 7 Jahre ohne jegliche Probleme gefahren. Ich kann mich noch nicht einmal an den Ausfall einer Glühlampe erinnern. Ich habe auch auf dieser Reise wieder den Eindruck, dass die Qualität der (teuren) technischen Dinge, die wir so zu kaufen bekommen, schlechter und schlechter wird… Ärgerlich und unnötig.

03.08.

Wir fahren auf klein gerölliger Piste den Col del Valbelle zurück ins Tal und haben noch einmal sehr schöne Ausblicke auf Embrun und den Lac de Serre-Ponçon. Dann nehmen wir die Landstrasse nach Briançon. Dort finden wir einen Parkplatz in der Nähe der Oberstadt, die sehr sehenswert ist. Enge Gassen, mittelalterliches Flair und viele kleine Läden und Gaststätten laden zum Bummeln und Verweilen ein. Nach dem Mittag geht es aber bei sehr warmen, sonnigen Wetter wieder auf eine Offroad-Strecke. Wir fahren die Route Croix de Toulouse, die in Briançon beginnt. Sie führt uns in sehr engen Kehren (es muss zum Teil reversiert werden) über Teer und Schotter an der Felswand entlang. Auf der anderen Seite der einspurigen Piste geht es senkrecht nach unten! Der Aussichtspunkt auf fast 2.000 m Höhe zeigt einen schönen Ausblick auf die Stadt, die Festungsanlagen und die umgebende Bergwelt. Auf einer nahen Wiese finden wir zudem eine schöne Campstelle für die Nacht.

 

04.08.

Wir fahren die Route von der Croix de Toulouse wieder nach Briançon, wo wir zunächst im Supermarkt die Vorräte zum letzten Mal auffüllen. Dann geht es in Richtung Italien und nach einer kurzen Fahrt durch das Susatal und in der Nähe von Salbertrand beginnen wir die östliche Route zum Monte Jafferau. Die einspurige, steile und grobgeschotterte Piste mit einigen Auswaschungen endet leider nach ungefähr 11 km an einer Absperrung mit Schranke, nach der eine Weiterfahrt aufgrund von Erdrutschen für Autos, Zweiräder und Fußgänger verboten ist. Wir sind natürlich enttäuscht, laufen noch die 1,3 km zum Fort Pramand hoch, welches aber nur überschaubar attraktiv ist. Auf der Rückfahrt beschließen wir, die nach unserem Trackführer gesperrte Westrampe zum Monte Jafferau zu versuchen. Aufgeben gilt nicht. Wir fahren in das Städtchen Bardonecchia und folgen den Ausschilderungen Richtung Gleises, einem kleinen Bergdörfchen, welches in der Karte in Richtung Monte Jafferau eingetragen ist. In steilen Serpentinen folgen wir zunächst der Teerstrasse, die dann plötzlich nach rechts in eine Schotterstrasse übergeht, an der das Fort Foens ausgeschildert ist. Von Sperrung ist nichts zu lesen und wir folgen der sehr schmalen, erdig-gerölligen Piste über die spärlichen Reste des Fort Foens hinaus, die uns nach ungefähr 20 min Fahrt hinter den gesperrten Abschnitt der Ostroute zum Monte Jafferau bringt, an der wir 90 Minuten vorher noch gestanden haben. Die Sperrung ist dann auch nur in östlicher Richtung angegeben, Richtung Monte Jafferau geht es auf steiniger Piste immer weiter bergauf. Die letzten Kilometer bis zum Gipfel sind extrem grobsteinig und die Stoßdämpfer haben so ihre Mühe. Dafür belohnt uns der Kampf zum Gipfelfort des Jafferau mit dem vielleicht schönsten 360 Grad-Panoramablick in den Alpen überhaupt. Es ist zwar wolkig heute, aber die Mischung aus Sonne und Wolken bringt durch die Schattierung der Berge eine besondere Stimmung. Auf dem Gipfel erfahren wir von italienischen Rangern, dass seit etwa 2 Jahren auch die Strecke direkt unter den Seilbahnanlagen Richtung Westen zurück nach Bardonecchia frei ist, was wir auch nutzen, da heute noch mehr auf dem Programm steht. Die Abfahrt ist dann auch erwartungsgemäß kürzer, aber z.T. sehr steil auf enger Piste mit lockerem Geröll, so dass das Auto trotz massiven Einsatzes der größtmöglichen Motorbremse und Zubremsen passagenweise nur mit Mühe gehalten werden kann.

In Bardonecchia beginnen wir dann etwas später als geplant, aber jetzt immerhin bei lockerer Bewölkung, das geplante Highlight unserer Reise, den Aufstieg zum Colle Sommeiller, dem höchsten mit dem KFZ anfahrbaren Punkt in den Alpen. Es geht zum Teil in sehr steilen Serpentinengruppen mit sehr engen Kehren. Es muss teilweise bis an den Rand des Abgrundes reversiert werden, immer weiter nach oben. Die Piste zeigt leichte Auswaschungen, ist aber zum größten Teil steinig oder mit Schotter und Geröll bedeckt und es staubt ziemlich stark. Dafür ist die Gebirgslandschaft einmalig schön. Wir passieren Hochtäler mit Schotterfeldern, aber auch breiten Wiesenalmen, die umrahmenden Berge schimmern in den unterschiedlichsten Farben. Die letzten Serpentinen bis auf knapp 3.000 m Höhe sind schwer zu befahren. Ein sehr steiles Geröllfeld und enge Kehren, die zum Reversieren zwingen, erfordern etwas Erfahrung, zumal dem zwar spärlichen, aber in Form von 3-4 Geländewagen durchaus vorhandenen Gegenverkehr nur in den ohnehin engen Kehren ausgewichen werden kann. Wir erreichen den Parkplatz am Lac Sommeiller gegen 17.30 Uhr. Der Endpunkt ist ein Holzzaun, der gleichzeitig die italienisch-französische Grenze markiert. Das GPS zeigt hier genau 2.998,5 m an. Die Sonne steht zwar schon tief, aber das goldene Abendlicht lohnt noch eine kurze Wanderung um den kleine See unterhalb des Gipfels und einen Blick auf die Reste des Sommeiller-Gletschers.
Während Annett fleißig fotografiert, teste ich noch einmal Spirituskocher sowie Luft- und Standheizung mit Höhenkit. Alles geht einwandfrei. Also nichts dran an dem Gerücht, Spirituskocher würden in der Höhe nicht funktionieren, nur das Anzünden mit Streichholz oder Gasfeuerzeug ist, wie schon beschrieben, schwierig, weil die Zündung nicht richtig funktioniert. Die prima Höhenkit-Technik der beiden Heizungen muss hier auch mal lobend erwähnt werden, nachdem an anderer Stelle die Technik nicht gut weggekommen ist.

Die Abfahrt über die engen Serpentinen ist dann ähnlich mühsam, wir finden auf ungefähr 2.500 m eine geniale Campstelle auf einer Almwiese (denken wir…) Es wird Zeit nach einem anstrengenden Tag.

05.08.

Die „geniale“ Campstelle entpuppt sich als kleine Falle. Zum einen ist es nachts und vor allem morgens sehr kalt (ca. 2.500 m Höhe), da die Sonne noch nicht über die Berge kommt, zum anderen erwarten uns kurz nach dem Aufstehen zwei italienische Ranger in Uniform. Sie erklären uns, dass wir laut Gesetz nicht außerhalb von befahrenen Wegen stehen dürfen… Uns gegenüber stehen auf der anderen Seite der Strasse mehrere Zelte – das wäre erlaubt. Nun gut, unsere Personalien werden auf einem Amtszettel mit Durchschlag notiert sowie unser Vergehen genau beschrieben. Die Strafe mildert sich wohl, weil wir bereit sind, diese gleich zu entrichten. Eine Weigerung oder Widerstand wäre wohl noch teurer gekommen und mehr als die Gebühr zweier Campingplatznächte ist es dann schließlich auch nicht. Na ja, soviel zum Thema Freiheit…. Da wir frieren und abgemahnt sind, beschließen wir weiter unten auf sonnigerem Grund zu frühstücken und fahren den Track wieder talwärts.
So endet der letzte und vielleicht schönste Offroad-Track unserer Tour am Anfang weniger erfreulich, am Ende doch mit bleibenden Eindrücken und bei heißem Sonnenwetter im Susatal.

Der Rest sei nur kurz noch erwähnt: Wir fahren fast den ganzen Tag bei schwülheißem Wetter Serpentine für Serpentine auf und ab und überqueren die Alpen von Süd nach Nord fast komplett (um die Natur noch einmal zu genießen und die Autobahnen zu vermeiden) bis wir am späten Nachmittag noch ein paar schöne Blick auf die höchste Erhebung Europas, den Mont Blanc, haben. In der Nähe von Aosta verbringen wir die Nacht dann doch noch einmal auf einem Campingplatz, bevor es endgültig Richtung Schweiz und nach Hause geht.

Kleines Fazit unserer Offroad-Alpentour 2015:

Für Naturfreunde und Abenteurer mit einem entsprechenden Allradler, entweder mit Ausbau, mit Dachzelt oder natürlich auch normalem Zelt, ist das Befahren der Tracks in den Westalpen ein Traum. Man kann den Alltag mental komplett hinter sich lassen, da man Tag für Tag auf den Pisten durchaus konzentriert gefordert ist. Geniale Naturerlebnisse und eine Campidylle, die ihresgleichen sucht, sind hier (bis auf wenige Ausnahmen – siehe oben) noch möglich. Man kann Tracks aller Schwierigkeitsgrade fahren, am problematischsten sind häufig die groben Steinpisten (Achtung: gute Reifen und der richtige hohe Luftdruck sind entscheidend, mit unseren fast 3,5 t fahren wir zumindest hinten mit 4,5 bar, vorne mindestens mit 3,5 bar. So werden die Flanken am besten vor spitzen Steinen geschützt) und das Befahren z.T. sehr steiler, enger Serpentinen, in denen bis an den Rand des Abgrundes oder des Felsens (hier können cm zählen!) reversiert werden muss. Eine sehr gute Fahrzeugbeherrschung und funktionierende Technik (Bremsen, Lenkung, Handbremse, Kupplng!) sind hier Grundvoraussetzung, sonst kann es lebensgefährlich werden. Auf manchen Routen ist durch tiefe Auswaschungen eine gute Bodenfreiheit notwendig, bei anderen sind durch Äste oder Zweige Kratzer im Lack nicht zu vermeiden.

Unser EC meistert die meisten Passagen ziemlich problemlos. Ändern müssen wir möglicherweise die auf langen Bergabfahrten auf Teer und Offroad-Pisten trotz sehr bewusstem Einsatz der Motorbremse phasenweise überforderten Bremsen. Andere kleinere technische Pannen haben wir oben beschrieben. Der HD-T-Motor bringt die 3,5 t sehr gut und zügig ohne deutlich spürbare Turbolöcher bergan. Im Gelände ist die Untersetzung häufig die bessere Wahl, insbesondere in steilen Passagen und zwar bergan und bergab (Motorbremsung statt Bremse ist immer die richtige Wahl!). Die Stoßdämpfer machen im Gelände einen sehr guten Eindruck, die Federn geben mir etwas zu weich nach und könnten straffer sein, ggf. ein- oder zwei Blattfedern hinten mehr und vorne eine stärkere Spiralfeder wären zu überlegen.