Island 2014


Eigentlich wollten wir im Blog nur über Reisen mit dem „EC“ berichten. Ausserdem dachten wir, eine Woche Island, das lohnt sich ohnehin kaum. Dazu noch im Oktober. Wir wollten unsere beiden Freunde, die uns diesmal begleiteten, „nur“ mal für Island etwas „anfüttern“ und die Zeit einfach genießen. Denn fast alle geplanten Stellen im Süden hatten wir schon gesehen. Aber einmal mehr wurden wir von der Schönheit und der Vielfalt dieses Landes überrascht. Wir waren zu dieser Jahreszeit schon einmal hier, hatten damals aber keinen Wintereinbruch mit Schnee, so dass wir das Hochland ohne Probleme befahren konnten. Das sollte sich jetzt ändern. Dadurch entstanden für uns auf zum Teil bekannten Strecken und Orten wieder völlig neue Eindrücke und Erfahrungen, auch was die Grenzen der „Erkundung“ des Landes im Herbst anbelangt.

Aus unserer Begeisterung heraus wollen wir dann doch kurz über die Höhepunkte von sechs tollen Tagen berichten.

Nach der Ankunft in Kevlavik geht es erst mal zur Mietwagenstation. Da ich derzeit zu Hause noch einen 90er Defender fahre und aus unseren früheren meist positiven Erfahrungen haben wir uns für einen 110er Defender entschieden. Den müssen wir erst mal auf Schäden ablaufen. Winterreifen sind drauf, was sich noch als extrem wichtig herausstellen sollte. Ich bemängele schließlich, dass die Zentralverriegelung nicht funktioniert. Die nette Dame am Schalter sagt achselzuckend „ It never works. It’s a Defender. Sorry“. (Unter Offroadern heißt es : „Ein Defender ist nie richtig ganz, er ist aber auch nie richtig kaputt“.) Also schließen wir wie beim Wartburg früher die nächsten Tage alle Türen immer fleißig auf und zu, was sich als Vorteil herausstellen sollte, da uns der ständige Tanz ums Auto warm hält.

Nach zweieinhalb Stunden Fahrt erreichen wir kurz hinter der Einfahrt zum Seljalandsfoss und der Ebene von Porsmörk in Richtung Süden unser Haus. Es ist einsam und toll gelegen. Im Süden haben wir den exzellenten Blick auf die Vestmannaeyar (Westmännerinseln), im Norden den Blick auf den 2010 ausgebrochenen Eyjafjallajökull.

Wir kommen noch im Hellen an und schaffen es, unsere Sachen auszupacken, bevor wir auch schon bei klaren Himmel die ersten Polarlichter sehen. Genial.

Jeden Abend schauen wir jetzt nach dem lokalen isländischen Wetterbericht, um die Tour für den nächsten Tag zu planen. Wir haben tagsüber meist zwischen 3 und 8 Grad, nachts und im Hochland gibt es schon mal Frost.

Am nächsten Morgen geht es Richtung Osten zum Gletschersee Jökulsarlon, in den weiße und blaue Eisblöcke aus einer Gletscherzunge des gigantischen Vatnajökull hineinbrechen. Diesmal haben wir auflandigen Wind, so dass die Eisblöcke nicht durch die Jökulsa in den Atlantik getrieben werden und sich heute im See stauen. Es ist immer wieder ein wunderschöner Anblick an einem magischen Ort.

Natürlich darf ein Abstecher zum Atlantik nicht fehlen, wo tausende von kleinen Eisstücken den schwarzen Sand verzieren. Durch den Wind vom Meer haben wir heute relativ hohe Wellen – fantastisch.

Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zum Fjallsarlon mit seinen großen Eisstücken und einem gutem Blick auf die hohe Gletscherkante.

Danach wandern wir ein Stündchen im Skaftafell-Nationalpark am Fuße des Vatnajökull bis zum Fuße der Gletscherzunge.

Am nächsten Tag steht die Fahrt in die Ebene von Porsmörk an, einem unserer Lieblingsorte in Island. Als passionierter Offroad-Fahrer kann man hier das Furten üben, wie es sonst so intensiv wahrscheinlich nicht möglich ist. Mit dem Mietwagen wollen und können wir natürlich nicht soviel riskieren. Er hat zwar eine erhöhte Luftansaugung, wir haben aber keine Winde und keinen Erdanker dabei (Bäume gibt es kaum auf Island, in der Ebene der Urstromtäler sowieso nicht), so das Steckenbleiben im Fluss nicht zu empfehlen ist. Außerdem sind wir hier im Oktober allein in der weiten Ebene. Aber erstmal sehen wir uns den Seljalandfoss an, der nicht sehr hoch , aber dennoch reizvoll ist, da man ihn hinterlaufen kann. Dann geht’s weiter in das Urstromtal von Porsmörk. Gott sei dank sind die Wasserstände der Flüsse heute relativ flach -trotzdem wate ich zwei von ihnen erst mal ab, da die Tiefe nicht einzuschätzen ist.

Durch das kalte Wasser kann man danach kaum noch richtig Gas geben. Wir schaffen es trotzdem, bleiben aber auf der Seite des Eyjafjallajökull, da wir sonst die ganze Ebene mit Durchquerung der strömungsstarken Krossa fahren müssten, was wir heute lieber nicht tun. Stattdessen starten wir unsere Wanderung von der Hütte Basar aus auf den Rettafell. Von hier aus haben wir einen fantastischen Ausblick auf das Urstromtal in beide Richtungen, im Osten begrenzt durch den Myrdalsjökull, im Süden durch den Eyjafjallajökull.

Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zu Letzterem und können die 2010 herunter geflossenen, also relativ frische Lavamassen ahnen, die jetzt allerdings unter Gletschereis liegen. 2010 hatten wir sie rauchen sehen und der Weg zum Gletscher war damals abgesperrt.

Am nächsten Tag ist Regen angesagt und der fällt dann zunächst auch. Wir beginnen unseren Trip mit dem Gullfoss, einem der schönsten Wasserfälle in Island, der hier über 30 m tief in die Schlucht stürzt. Der Höhepunkt des Tages soll aber das Gebirge von Kerlingarfjöll werden, das sich von Kvalvegur bis an den Hofsjökull erstreckt und dessen leuchtende Farben und dampfenden Schwefeltöpfe wir in beeindruckender Erinnerung haben. Daraus wird jedoch nichts. Die Hochlandpiste wird irgendwann tiefschlammig, das Auto fängt an zu „schwimmen“, wir müssen sehr langsam und mühselig in der Untersetzung fahren, die Autoscheiben verdrecken durch aufgewirbelten Schlamm total. Als wir kaum noch etwas sehen, kehren wir um und vervollständigen schließlich doch den „Goldenen Kreis“ aus Geysir und Pingvellir. Erst dann finden wir eine Tankstelle, die noch Schläuche für die Autowäsche angeschlossen hat.

Am anderen Morgen sind die Berge dann mit Schnee bedeckt und während der Fahrt über die Ringstrasse haben wir bereits leichtes Schneetreiben.
Ab Kirkjubaejarklaustur biegen wir auf die F 206 zum Lakagigar ab. Die Vulkanlandschaft um die Kraterreihe Laki soll eine der schönsten Islands sein und ist heute unser Ziel. Am Anfang ist die mittelschwere Offroadpiste auch kein Problem. Je höher wir kommen, desto dichter und höher wird allerdings die Schneedecke, die Piste füllt sich schließlich ganz mit Schnee, der Wind führt zum Schneetreiben und durch den Nebel können wir den Weg schließlich nicht mehr erkennen. Zudem sind wir ganz allein hier oben, ohne Schneeketten oder isländische Ballonreifen, keine Chance zum Durchkommen. Nach ca. 20 km müssen wir zum zweiten Mal aufgeben, das Wenden ist gerade noch so möglich. Trotzdem sind wir beeindruckt von der Urnatur hier oben und spüren aber auch die Gefahr, die von Schlechtwettersituationen im Hochland ausgehen kann.

Auf dem Rückweg halten wir an der Schlucht Fjaðrárgljúfur, wo sich der Fluß Fjaðrá bis zu 100m tief eingräbt. Durch die durchbrechende Sonne haben wir tolles Licht.

Ungefähr 5 km vor Vik biegen wir auf eine Offroad-Piste nach Norden ab und fahren bei sonnigem Wetter durch beeindruckende Vulkanlandschaften im Katla Geopark mit exzellentem Blick auf das südliche Urstromtal und die Küste. Ungefähr 15 km landeinwärts erreichen wir die Schlucht von Pakgil. Dort liegt ein kleines romantisches Campingareal mit einigen Hütten als Ausgangspunkt für Wanderungen.

Ein kurzer Abstecher zum schwarzen Vulkanstrand von Vik mit toller hoher Brandung und Blick auf die Felszinnen Reynisdrangar gehört dazu.

Auf besonderen Wunsch unserer beeindruckten Freunde fahren wir kurz nach Vik wieder rechts ab und es sollte sich wieder lohnen. Wir finden eine grobsteinige, relativ steil zum Fuß des Myrdalsjökull emporführende, recht anspruchsvolle Offroad-Piste. Auch hier nimmt schließlich die Schneedecke immer weiter zu, es kommt erneut zu starken Schneeverwehungen. Wir schaffen es fast bis zum Fuß des Gletschers. Hier finden wir eine Hütte, vor der eine Anzahl von Schneemobilen bewachungslos eingeschneit ist, Gott sei dank auch einen Wendeplatz. Ab hier gibt es nur noch eine Privatstrasse bis ganz an den Gletscher heran, die wohl den Islandjeeps mit ihren mächtigen Reifen vorbehalten bleibt. Unsere (sicher nicht schlechten) Winterreifen wirken dagegen wie Miniaturausgaben und wir wollen es erst gar nicht testen. Die Natur ist gigantisch hier oben und wir fühlen uns ziemlich klein bei diesen Anblicken.

Der Skogafoss, der über 60 m steil hinunterfällt, bietet im Abendlicht einen schönen Abschluss des Trips.

Abends stürmt es dann orkanartig und wir sehen ab 20 Uhr schon Polarlichter mit allerdings sehr geringer Aktivität.

Der nächste Morgen startet mit dem Versuch der Anfahrt nach Landmannalaugar über die Nordroute (F 208). Unser Ziel ist die Besteigung der Brennisteinsalda. Gut in Erinnerung ist uns der gigantische Blick vom Blahnukur über die rötlich, bräunlich und gelb schillernde mächtige Berglandschaft. Uns ist bewusst, das die sonst so farbenfrohen Berge verschneit sein werden, wollen es aber trotzdem versuchen. Wir passieren die schneebedeckte Hekla, die wir so weiß auch noch nicht gesehen haben. Sie ist zuletzt im Jahr 2000 ausgebrochen. Leider ist auch die F208 nach wenigen Kilometern unpassierbar, da sie durch die Verwehungen bald bis zum Rand mit Schnee gefüllt ist.

Wir beschließen als Alternative zur Blauen Lagune zu fahren, die unsere Freunde noch nicht kennen und wir leider diesmal auch keinen Hot Pot bieten konnten (in Landmannalaugar wäre einer gewesen). Dafür nehmen wir die Südroute am Meer entlang Richtung Grindavik durch die schneebedeckte Küstenlandschaft bei herrlichem Sonnenschein. Die Strasse ist nicht geräumt und die Fahrt macht etwas Mühe.

Während die Beiden baden, wandern wir in Grindavik zum Leuchtturm, in dessen Umgebung mehrere Schiffswracks zu finden sind, die hier vor der Küste verunglückten.

Am Abend sehen wir ab 20 Uhr wieder Polarlicher – kurz, aber relativ intensiv.

Am letzten Tag folgt noch ein Kurzausflug nach Reykjavik. Im Dauerregen schauen wir kurz ins Rathaus, in die Hallgrimskirkja und in die Harpa. Nachmittags geben wir den Defender am Flughafen ab und starten am nächsten Morgen wieder Richtung Berlin.

Das war unser fünfter Islandtrip. Er war (zu) kurz, aber wir haben ihn doch als sehr intensiv empfunden. Wer die Naturgewalten auf Island bei Wintereinbruch nicht scheut, dem können wir eine Reise im Spätherbst oder Winter sehr empfehlen. Ein guter Geländewagen ist aber Voraussetzung, wenn man auf eigene Faust unterwegs sein will. Ziele im zentralen Hochland sind bei Schnee aber auch damit nicht zu erreichen. Ausflüge mit Islandjeeps oder Rundflüge werden aber überall angeboten und sind sicher toll. Für die Polarlichtfotografie ist möglicherweise z.B. der Februar besser, wie wir schon erlebt haben. Allerdings sind die Aktivitäten schwer vorauszusagen und man benötigt natürlich auch einen klaren Himmel.

Wir werden irgendwann wieder zurückkommen, denn wir sind immer wieder aufs Neue beeindruckt von diesem tollen Land.

Highlights unseres Islandtrips auf Google-Maps 

2 Gedanken zu „Island 2014

  1. Jörn

    Danke für den Beitrag! Fjaðrárgljúfur würde ich auch gern sehen. Wir fliegen dieses Jahr nach Island, nur werden wir keinen Geländewagen haben.

    1. Annett Artikelautor

      Hallo Jörn,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich denke nach Fjaðrárgljúfur könnt ihr auch ohne Geländewagen fahren. Die Jeeppiste beginnt erst danach Richtung Laki. Wir wünschen euch schon mal viele tolle Erlebnisse in Island!

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