Island 2016

21.07.

Unsere Fähre legt in Seyðisfjörður pünktlich 8.30 Uhr isländischer Zeit an. Nach dem bekannten Kampf auf dem Autodeck bekommen wir unseren Aufkleber vom Zoll und dürfen ohne Kontrolle aus dem Hafen fahren. Einige Autos werden aber zur Seite gewunken und kontrolliert. Warum gerade diese und andere nicht, dass erschließt sich uns auch diesmal nicht.

Wir sind nunmehr zum 6. Mal auf der Insel und haben uns für die diesjährige Tour vorgenommen, vor allem Orte und Gegenden zu besuchen, die wir auf den bisherigen Reisen noch nicht gesehen haben. Das wir dabei auch wieder an bereits bekannten Sehenswürdigkeiten vorbeikommen, lässt sich in Island nicht vermeiden. Schließlich ist das Straßennetz nicht so umfangreich.

Wir beginnen unsere Reise im Nordosten, den wir bisher kaum erkundet haben. Wie bisher auch, kaufen wir zunächst in Egilsstaðir unsere ersten Vorräte ein. Den Kühlschrank haben wir für die Überfahrt leergeräumt und abgestellt. Dann geht es zur Bank, wo wir ein wenig Bargeld abheben. Zumeist werden wir wohl mit der Karte bezahlen. Die Isländer bezahlen sogar einen Kaffee damit.

Unsere erste Station führt uns nach ca. 75 km nach Hafnarhólmi. Dort befindet sich ein kleiner hübscher Hafen und ein Felsen, auf dem Papageientaucher ihre Nester haben. Die kleinen, selbstbewusst wirkenden Tierchen lassen den Menschen zum Fotografieren recht nah heran.

Danach folgt nach zwei doch relativ bewegungsarmen Tagen auf der Fähre unsere erste „kleine“ Wanderung in die Bucht von Brúnavik. Die Wanderung soll eigentlich zum Einlaufen dienen, aber die recht steilen, gerölligen Anstiege bringen uns ganz schön ins Schwitzen. Durch den stetigen Hochnebel bzw. die tiefen Wolken ist außerdem der Boden auf den Wiesenabschnitten sehr aufgeweicht, so dass wir froh sind, wasserdichte Schuhe zu tragen. Die Bucht von Brúnavik zeigt sich dann als recht breiter, flacher schwarzer Sandstrand, der bei aufklarenden Himmel eigentlich zum Baden einladen würde. Wenn die Temperatur nicht ca. 15°C betragen würde. Wir sind trotzdem zufrieden und genießen die Aussicht. Es regnet nicht und die Beine sind wieder in Bewegung. Auf dem Rückweg haben wir zudem dann bei Sonnenschein einen wundervollen Blick auf den Borgarfjörður eystri mit tollem Kontrast zwischen den grünen Hügeln auf der einen und schroffen steilen Felsen auf der anderen Seite.

Auf dem Campingplatz in Bakkagerði am Fuße des Felsens Álfaborg, wo die Elfenkönigin mit ihrem Hofstaat thronen soll, genießen wir noch die Abendsonne und richten uns auf eine ruhige Nacht ein.

22.07.

Die schöne Abendsonne ist aber auch schon das einzig Gute an diesem Campingplatz. Die geringe Anzahl der Sanitäranlagen, die zudem keinen wirklich gepflegten Eindruck hinterlassen, ist das geringere Problem. Weitaus störender ist der permanente Lärm die ganze Nacht hindurch. Betrunkene isländische Jugendliche unterhalten den Platz und scheinen sich besonders in der Nähe unseres Autos wohl zu fühlen. Ein professionell geführter Platz hätte hier für Ruhe gesorgt.

Wir sind wie gerädert und starten daher schlecht ausgeschlafen in unseren zweiten Tag. Aber die vor uns liegende 17 km lange Wanderung wird uns schon auf Trapp bringen. Fest steht bereits am Morgen, dass wir auf diesem Platz nicht noch einmal übernachten möchten. Daher parken wir das Auto am Borgarfjörður eystri in der Nähe des Einstiegspunktes zur Wanderung in die Berge bei Bakkagerði.

Die doch recht anspruchsvolle Strecke über fast 7 Stunden über 3 Bergpässe mit einem gesamt über Berg und Tal bewältigten Höhenunterschied von ca. 1.000 m entschädigt uns dann aber ein wenig für die schlaflose Nacht.

Zunächst geht es empor zum Hofstrandarskard-Sattel. Die ersten 2 Stunden laufen wir leider weitgehend in Wolken, die aber beim Aufstieg zum Sydravarp letztlich aufziehen und uns den Blick auf spitze Felsen und bunte Bergformationen freigeben. Diese sind z.T. noch mit Schneefeldern bedeckt und erinnern an die herrliche Landschaft in Landmannalaugar.

Wir wandern weitgehend über lange grobe Geröllpisten und teilweise steil bergauf. Dazwischen in den Tälern finden wir sumpfige Wiesen, die mit kleinen Bächen durchzogen sind, welche aber meist gut auf Steinen zu überlaufen oder auch zu überspringen sind. Hin und wieder sind auch kleine gletscherartige Schneefelder zu überqueren. Bergauf kommen wir trotz des teilweise recht böigen und kühlen Windes ganz schön ins Schwitzen und die Trinkflaschen sind bald leer. An kristallklaren Bergbächen mangelt es aber nicht an kaltem Gletscherwasser, so dass sie schnell wieder aufgefüllt sind.

Wieder zurück am Auto sind die Beine dann doch recht schwer. Wir wollen heute auf keinen Fall auf einen Campingplatz und vermeiden daher auf unserer weiteren Route Richtung Vopnafjörður die Hauptverkehrsstraßen. Stattdessen nehmen wir kleingeröllige Nebenstrecken, die überdies eine deutliche Abkürzung darstellen. An einem See finden wir einen im Bau befindlichen Parkplatz mit Toilettenhäuschen, der für Camper frei scheint und vor allem mit einem Hot Pot versehen ist, den wir bei 15°C Lufttemperatur nach dem Abendessen gerne nutzen.
Der Betreiber des Platzes kommt noch persönlich vorbei und informiert uns darüber, dass am nächsten Morgen um 08.00 Uhr Bulldozer den Parkplatz weiter bearbeiten werden. Ok, wir sind dann natürlich weg. Also heute zeitig ins Bett. Schlaf ist sowieso nachzuholen….

23.07.

… und das gelingt auch ganz gut. Wir sind pünktlich in der Spur und nutzen eine feine Geröllstrasse Richtung Vopnafjörður. Einen Abstecher machen wir zum sehr gut erhaltenen sechsgiebeligen Torfgehöft Bustarfell, welches sich von 1532 an im Besitz einer wohlhabenden Familie befand, 1943 aber dem Staat verkauft wurde. Seit 1966 dient das Gehöft als Museum. Eine englischsprachige Führung durch die niedrigen Hütten zeigt, wie sich das Leben im Torfgehöft mit den Zeiten veränderte und moderne Errungenschaften, wie Öfen und Generatoren, in die alten Hütten integriert wurden. Für Interessierte an der Geschichte isländischer Lebensart auf jeden Fall eine Empfehlung. Vopnafjörður als Stadt muss man sich nicht unbedingt ansehen. Wir füllen hier an der Tankstelle unsere Wasservorräte auf und erledigen noch Einkäufe in dem örtlichen Supermarkt.

Die isländischen Preise hier sind allerdings sehr hoch, wie überhaupt die Lebensmittel mindestens doppelt so teuer sind wie in Deutschland. Noch deutlich teurer wird es in solchen Orten, in denen der einzige Supermarkt keine Konkurrenz hat.
Ein Kilo Grillfleisch (z.B. 4 eingelegte Koteletts vom Schwein) kosten heute und hier umgerechnet 18 €. Wir hoffen daher, dass es wenigstens inländisches Fleisch ist. Wie sich später herausstellt, wohl eher nicht. Auch bei Gemüse und Obst kann man deutsche Preise mindestens mal zwei rechnen. Wie bei uns auch ist isländisches Obst und Gemüse, welches immer mehr in Gewächshäusern angebaut wird, teurer als das aus Spanien. Entweder die deutschen Preise sind tatsächlich (Geiz ist geil!!!) zu billig, oder hier einfach unmäßig überteuert. Da wir z.B. aber auch in Dänemark mehr für Nahrungsmittel bezahlt haben, liegt die Wahrheit wahrscheinlich wie so oft in der Mitte.

Danach starten wir von einem kleinen Parkplatz an der Schotterstraße 913 unsere dritte Wanderung, diesmal entlang den Klippen an der rauen Nordküste. Eine flache Rundwanderung führt die Küste entlang vorbei an schwarzen Sandstränden mit reichlich Treibgut, fotogenen Klippen und Vogelfelsen und einem schönen Rundblick über den Fjord.

Dann wollen wir kurz eine Zwischenstation in dem kleinen Städtchen Þórshöfn einlegen. Nachdem ich im Navi hoch und runterscrolle, aber kein Þórshöfn finde, erhalte ich von Annett den Tipp doch mal unter „Thorshöfn“ nachzusehen. Und tatsächlich, da finde ich es. Das P wird mit kleinem Strich oben geschrieben, was auf isländisch th bedeutet. Gut, dass Annett so etwas weiß, ich hätte hilflos weitergesucht…. Ok, man ergänzt sich…häufig.
In Þórshöfn beginnt es zu regnen, so dass wir nicht durch den Ort laufen, sondern es bei einer Tasse Kaffee an der Tankstelle belassen.

Aber danach wird es spannend. Der letzte Abschnitt für heute führt uns auf die Halbinsel Langanes.
Diese erstreckt sich in der Form eines langen Vogelschnabels weit nach Nordosten auf das Meer hinaus. Sie ist von Menschen weitgehend verlassen. An der Küste nistet eine Vielzahl von Vogelarten, die über Besuche gar nicht erfreut sind und zumindest kreischende Scheinangriffe auf Auto und Menschen fliegen. Vielleicht kennen sie die Eierpreise in den Supermärkten und trauen uns daher zu, in ihren Bruthöhlen auf Suche nach preiswerterer Kost zu gehen…. Was wir natürlich nicht beabsichtigen.

Wir schlagen unser heutiges Lager auf einem schmalen Schotterweg zwischen Straße und Meer auf. Das Dach lassen wir heute unten. Der Wind saust schon am späten Nachmittag kalt und böig über die flache Halbinsel. Zum Glück regnet es nur ein paar Tropfen. Wir braten unsere Würstchen im Schutz des Autos und essen sie mit dem teuer erstandenen Salat….

24.07.

Am Morgen geht es in dichter werdenden Nebel bzw. tiefhängende Wolken auf dem Gerölltrack weiter auf der HaIbinsel Langanes, immerhin 30 Offroad-km bis zum Ende der Landzunge am Leuchtturm von Fontur.

Die Küste liegt voll mit Treibholz, welches einen langen Weg hinter sich hat. Es ist aus Sibirien hierher getrieben worden. Im Meer sehen wir die küstenparallele helle Linie, wo Atlantik und Polarmeer aufeinander treffen. Wir passieren eine ganze Reihe verlassener und zum großen Teil zerfallener Bauernhöfe. An der nördlichen Spitze ragen mächtige Vogelfelsen aus dem Wasser, die man auf einer recht neu wirkenden stählernen Plattform über der Steilküste sehr gut von oben einsehen kann.
Der Nebel wird aber immer dichter und der eigentlich recht hübsche und relativ modern erscheinenden Leuchtturm von Fontur taucht recht unvermittelt und gespenstisch daraus auf.
Wir wundern uns aber schon, dass ein Leuchtturm bei diesem Wetter gar nicht leuchtet!
Auf dem Rückweg erwartet uns noch eine Überraschung: Mitten auf der Straße tollen ein paar junge Polarfüchse umher und lassen sich auch durch das Auto nur geringfügig stören.

Nach einer kurzen Mittagspause in Þórshöfn, diesmal regenfrei, folgt ein Tankstopp und auch eine Autowäsche ist fällig. Das Heck verdreckt auf feuchten und staubigen Offroadstrecken immer total.

Wir reinigen auch die Sonnenkollektoren auf dem Dach, damit wir überhaupt die Chance haben, Strom erzeugen zu können, sollte sie denn mal wieder scheinen.
Dann nutzen wir auf schnellstem Weg die Landstraße nach Húsavík, wo wir eigentlich wegen der mal wieder notwendigen Dusche auf den Campingplatz wollen. Aber letztendlich fahren wir doch weiter und campen schließlich am Goðafoss.
Der uns bekannte kleine Campingplatz gegenüber dem Wasserfall bietet dann auch für isländische Verhältnisse gute sanitäre Anlagen und ist relativ leer. Natürlich geht noch ein Abendspaziergang zum Goðafoss in dichten grauen Wolken. Wir sehen den beeindruckenden Fall nun zum 3. Mal, konnten ihn aber noch nie bei sonnigem Wetter bewundern.

25.07.

Heute geht es gleich nach dem Frühstück zur Hochlandüberquerung auf die Sprengisandur, die Hochlandpiste F 26, deren nördlicher Einstiegspunkt fast direkt am Goðafoss liegt. Die einspurige Piste verläuft relativ eintönig auf Höhenzügen durch sehr karges Grundmoränengebiet. Trotz des feuchten Wetters, dichte Wolken und Regenschauer sind auch heute wieder unser Begleiter, ist die Strecke von den Bodenverhältnissen her eher trocken.
Die vielen schlammigen Wasserlöcher auf der Strecke sind nicht sehr tief, ebenso wenig die Furten (heute ca. 30 bis höchstens 40 cm). Ein Durchwaten ist vorher also nicht nötig, worüber wir bei dem kalten Wasser auch nicht böse sind.
Die über 230 km lange Piste verlangt auch so von Auto und Insassen einiges ab. Am nervigsten sind ziemlich grobe und lange Wellblechpisten, die natürlich am besten mit höherer Geschwindigkeit zu bewältigen sind, da man dann nicht in alle „Wellentäler“ hineinfährt und der Schütteleffekt bedeutend geringer ist. Da das Wellblech aber leider oft auch mit wassergefüllten Schlaglöchern und gröberen Steinen kombiniert ist, ist eine Geschwindigkeit von über 40 km/h eher selten zu erreichen.
Dementsprechend durchgeschüttelt sind wir gegen 16 Uhr, als wir unsere Campstelle erreichen. Wir nutzen dazu eine unscheinbare kleine Nebenspur zum Fagrifoss in Kaldakvisk Sprengisandur, die zwar ausgeschildert ist, die man aber fast nur findet, wenn man den Wegepunkt auch im Navi gekennzeichnet hat.
Fast direkt über dem rauschenden Fagrifoss finden wir einen guten und wohl auch legalen Nachtplatz.
Nach einigen Regenschauern über den Tag haben wir zur Belohnung am Abend noch aufgelockerte Bewölkung.
Der Wasserfall und die folgende zerklüftete Schlucht sind versteckte Kleinode, die hier wohl nur wenige Touristen zu sehen bekommen. Zu versteckt ist die Zugangspiste. Außer uns ist hier demzufolge auch weit und breit niemand. Erst spät am Abend parkt ein anderer Camper etwa 500 m entfernt auf einem anderen Plateau weiter weg vom Wasserfall.

26.07.

Nach einer sehr windigen und recht kühlen (10°C) Nacht regnet es leider in den Morgenstunden, so dass wir unsere Frühstückseier im Auto zubereiten müssen. Auch das geht. Dann machen wir uns auf und bewältigen die letzten Kilometer übler Wellblechpiste auf der Sprengisandur.
Ebenfalls eine schmale Piste führt uns dann zum zweithöchsten Wasserfall Islands, dem Háifoss (122 m), einem nicht sehr breiten Fall, der wegen seiner Höhe aber schon beeindruckt und dessen folgender Fluss eine sehr sehenswerte Schlucht geschaffen hat. Wenn, wie jetzt, mal kurz die Sonne durch die Wolken sieht, zeigt er uns außerdem einen schönen fotogenen Regenbogen.
Auf derselben Piste zurück nehmen wir einen Abzweig zur Ausgrabungsstätte Stöng. Der Hof Stöng wurde wie viele andere Gehöfte im Jahr 1104 bei einem Ausbruch des Vulkans Hekla unter der Asche begraben. Archäologen gruben 1939 einige der Gehöfte aus und fanden die besonders gut konservierte Ruine dieses Hofes. Die Ruine des Haupthauses wurde als Museum überdacht und gibt Aufschluss über den Grundriss und die frühere Nutzung eines historischen isländischen Bauernhofes.
Eine tolle Nachbildung nach dem Vorbild von Stöng finden wir nach einem kurzen Stopp an der Schlucht Gjáin, nachdem wir von der Piste auf die Straße 32 eingebogen sind. Der Museumshof Þjóðveldisbær wurde nämlich nach dem Vorbild des ausgegrabenen Hofes Stöng originalgetreu als kompletter Hof mit Inneneinrichtung rekonstruiert. Das Museum ist eine ideale Ergänzung zur Ausgrabungsstätte, in dem man einen sehr guten Eindruck über das karge Leben innerhalb eines historischen isländischen Gehöftes erhält. Für Interessierte an der alten Lebensart der Einheimischen sehr empfehlenswert!

Unsere Mittagspause am frühen Nachmittag machen wir nach kurzer Pistenanfahrt am Hjálparfoss. Die Fossa stürzt hier als Wasserfall zweigeteilt zwischen Basaltsäulen in einen kleinen See hinab. Ein sehr schöner Ort zum kurzen oder längeren Verweilen.

Wir müssen aber weiter, da wir unser völlig verschmutztes Auto waschen, Wasser auffüllen und einkaufen wollen. Nach ca. 80 km Landstraße erledigen wir das in den Städtchen Hella und Hvollsvölur an der Ringstraße.

Unser letztes Ziel heute ist der Fährhafen zu den Westmännerinseln, den wir auf nunmehr gut asphaltierter Straße am Abend erreichen. Hier besorgen wir uns die Tickets für die morgige Fähre. Das Auto werden wir im Hafen stehenlassen. Die Nacht wollen wir auf dem uns schon bekannten Campingplatz am Seljalandsfoss verbringen. Eigentlich campen wir hier nur wegen der erhofften Dusche, aber die Sanitäranlagen sind mal wieder zum Vergessen. Während ich die Rückfahrkamera demontiere, reinige und wieder anbringe, besichtigt Annett den Gljúfrabúi. Das ist ein Wasserfall in unmittelbarer Nähe des Seljalandsfoss gleich am Campingplatz. Dieser befindet sich aber hinter einem Felsen in einer tiefen Spalte. Dorthin gelangt man nur durch den Fluss. Außerdem gibt es noch einen steilen Pfad, von dessen Spitze man in die Felsspalte sehen kann, aber der erscheint Annett doch zu gefährlich.

27.07.

Wir sind morgens sehr zeitig am Hafen und parken das Auto an einer ruhigeren Stelle, da wir auch die Nacht hier verbringen wollen.

Pünktlich um 9.45 Uhr startet dann unsere Fähre zu den Westmännerinseln bei besten Sonnenwetter, welches auch den ganzen Tag anhält. Wir besichtigen im Tagesmarsch die mit 13,4 km größte und einzig bewohnte Hauptinsel Heimaey.
Zunächst verschaffen wir uns einen Blick von oben nach Besteigung des Gipfel des Eldfell. Der Überblick von dort über die gesamte kleine Insel lässt das Ausmaß des Vulkanausbruchs hier im Jahr 1973 erkennen, der ein Sechstel der Insel mit frischen Lavamassen überzogen hatte. Die Stadt besteht islandtypisch aus zum Teil sehr hübschen bunten Wellblechhäusern mit sehr gepflegten Gärten. Wir wandern dann noch zum Südkap Stórhöfdi, dem südlichsten bewohnten Punkt Islands mit einer Wetterstation und einem kleinen Leuchtturm. Ein spätes Mittagessen im Hafen und eine kleine Stadtbesichtigung runden den lohnenswerten Ausflug ab. Beeindruckend im gesamten Ort sind die Pfähle, auf denen die Höhe des Aschestandes von 1973 angezeigt wird. Fast mannshoch!
Gegen 22.00 Uhr sind wir dann zurück und froh, dass wir nicht noch einen Stellplatz suchen müssen.

28.07.

Die Nacht am Hafen war ruhig und untermalt durch das Rauschen des Meeres und das Klappern der feinen Kiesel am Strand durch die Brandungswellen. Bei leicht bewölkten Himmel, aber nur 9°C Außentemperatur, essen wir aber doch wieder im Auto.
Wir haben uns entschlossen, als Erstes heute in die Nähe des Gletschers des Eyjafjallajökull zu kommen und fahren die entsprechende Geröllpiste hinauf. Nach wenigen Kilometern versperrt allerdings eine Schranke mit Schloss den weiteren Weg hinauf, also geht es wieder zurück. Auf der Ringstraße geht es weiter, diesmal zum Baden. Hier sind wir erfolgreicher.

Auf einer kurzen Piste machen wir einen Abstecher in das Seljavellir, jenes Tal, das den Eyjafjallajökull südlich flankiert. Dort stößt man nach kurzer Wanderung (15 min) auf das Thermalbad Seljavallalaug, das aus einer warmen Quelle weiter oben in den Bergen gespeist wird. Dort gab es schon 1920 ein erstes geothermisches Bad. Wir schätzen die Badetemperatur auf ca. 35°C und das ist doch schon ein wohliger Kontrast zu den 14°C Lufttemperatur bei dicht bewölkten Himmel. Gegenüber fließt ein Gletscherfluss über grobe Steine und das eiskalte Wasser ist nach dem warmen Bad eine tolle Erfrischung und sorgt dafür, dass man an der kühlen Luft nicht friert.
Nach kurzer Fahrt auf der Ringstraße starten wir den 2. Versuch, an eine der Gletscherkanten zu kommen. Wir nehmen eine sehr ausgefahrene und stark grobgeröllige Piste empor zum Mýrdalsjökull. Die Piste ist in so schlechtem Zustand, dass wir zwischenzeitlich überlegen, umzukehren. Aber langsam geht es weiter bis fast an den Gletscherrand. Hier beginnt auch das Eis und eine ausgeschilderte Privatstraße, auf der die geführten Touren mit den isländischen Monstertrucks bzw. den Schneemobilen auf den Gletscher weitergehen. Mit unseren Möglichkeiten endet der Weg allerdings hier.

Nach erneutem Kampf bergab mit Schlaglöchern und Geröll biegen wir auf der Ringstraße nach Gardar ab. Die neu geteerte Straße umrundet den Berg Reynisfjall und endet am schwarzen langen Kiesstand, der allein schon sehenswert ist. Der Reynisfjall zeigt sich an der Küste mit mehreren großen Höhlen und einer Front aus senkrecht stehenden Säulenbasalt, die als Touristenattraktion gilt. Na ja. Einen Abstecher wert ist der Ort wegen des Strandes allemal, da auch die Wahrzeichen von Vík í Mýrdal, die Reynisdrangar, gut zu sehen sind. Diese Felszinnen ragen bis zu 66 m aus dem Wasser und sind der Sage nach versteinerte Trolle.

Rund 5 km östlich von Vík í Mýrdal zweigt die 214 in Richtung Þakgil ab, die bald in eine gut befahrbare Piste übergeht. Diese führt durch eine sehenswerte Vulkanlandschaft mit zu vielfältigen Formen erodierten und oft begrünten Vulkanfelsen. Am Ende der Piste liegt ein Campingplatz auf einer Wiese im Talboden, der wunderschön von grünen Vulkanbergen eingeschlossen wird. Er dient uns für die nächsten 2 Nächte als Lagerplatz und morgen als Startpunkt für unsere Tageswanderung zum Myrdalsjökull.

29.07.

Die 15 km lange Wanderung führt uns bei sonnigem Wetter auf den ersten 7 km nur bergan. Die Steigung hält sich aber in Grenzen und die meist kleingerölligen breiten Wege können gut gelaufen werden. An schönen Tufffelsen vorbei bieten sich immer wieder beeindruckende Tiefblicke in die grün bewachsene felsige Schlucht und das Urstromtal bis zum Meer. Bis zur Gletscherkante des Mýrdalsjökull sind noch einige Schneefelder zu überqueren, die aber so verharzt sind, dass man nicht einsinkt. Die gewaltige Gletscherkante des Mýrdalsjökull, die wie eine weiße Haube auf dem Steilfelsen ruht, der den davorliegenden Canyon begrenzt, wirkt gewaltig. Vom schmelzenden Gletschergrund stürzen zahlreiche Wasserfälle in die Schlucht, deren Höhe man nur schätzen kann. Wir vermuten aber, dass sie weitaus höher sind als die Höchsten im Inland (also weit über 200 m).
Dies ist ein Ort zum Verweilen und zum Staunen. Aber durchaus auch ein Ort zum Fürchten, denn man kann sich gut vorstellen, was passiert, wenn der unter dem Mýrdalsjökull liegende berüchtigte Vulkan Katla wieder ausbrechen sollte, was man hier schon statistisch gesehen jederzeit erwartet.
Das ist dann doch noch eine andere Hausnummer als der Eyjafjallajökull, der ja 2012 auch schon Teile Südislands unter eine Ascheschicht gesetzt und den europäischen Flugverkehr tagelang lahmgelegt hat….

30.07.

Der Morgen beginnt bei 7°C Lufttemperatur mit dem Versuch eines Bades in dem noch kälteren (geschätzt vielleicht 4-5°C) und wunderbar klarem Gletscherfluss nahe des Campingplatzes. Ralf wagt es und friert danach an der Luft auch nicht mehr, dafür sind Füße und Hände über Minuten wie abgestorben. Blöd, wenn man sich wieder anziehen muss! Gott sei Dank bringt die Sonne über dem Frühstückstisch die Sache wieder ins Lot.

Wir tanken danach in Vík í Mýrdal und füllen unsere Vorräte und Wasser auf. Dann geht es nach kurzer Ringstraßenfahrt auf der F 206 die 45 km Piste zur Lakagigar bei leicht bewölkten, trockenen Wetter. Hurra! Die Strecke ist holprig mit Schlaglöchern, z.T. grobgerölligen Anstiegen und dem allgegenwärtigen Wellblech. Die Furten sind dagegen flach und im Grunde auch für kleine Fahrzeuge kein ernstes Hindernis. Wie für die meisten isländischen Pisten (bei Matsch oder tieferen Furten mag das anders aussehen) ist daher Allrad eigentlich weniger wichtig als eine gewisse Bodenfreiheit, ein sehr gutes Fahrwerk und vor allem stabile große Reifen mit gutem hohen Profil. Wir fahren seit Beginn der Reise fast jede Piste locker mit Zweiradantrieb, ganz selten bergab mal in Untersetzung, um die Bremsen zu schonen. Wichtiger erscheinen, zumindest bei relativ trockenen Bedingungen, die anderen oben genannten Punkte.
Auf der Strecke liegt der Fagrifoss, der „Schöne Wasserfall“, mit dem der Fluss Geirlandsa über mehrere Felsvorsprünge malerisch in die Tiefe stürzt.

Am Ende der Lakagigar, einer gigantischen Vulkanreihe aus 130 Kegeln und Kratern ragt der Laki-Krater (816 m) empor, zu dem ein gut markierter Wanderweg führt.

Der letzte Ausbruch dieses Vulkangebietes 1783, der größte Ausbruch überhaupt in geschichtlicher Zeit, war verheerend und brachte eine der größten Hungersnöte über die Insel. Die moosbewachsenen hohen Lavamassen über 300 km² um das Gebiet zeugen von dieser Katastrophe, bei der allein der Viehbestand der Insel durch giftige Schwefelgase auf ein Drittel dezimiert wurde.
Vom Laki aus kann man die Vulkanreihen sehr gut überblicken und, wie heute, bei schönem Wetter die umgebende Berglandschaft und Ausläufer des Vatnajökull genießen.
Wir wandern noch durch eine Kraterspalte und schlängeln uns beeindruckt durch die erkalteten Lavamassen. In tiefen Spalten sammelt sich der Schnee und verwehrt uns einen noch tieferen Einblick hinab.
Dann müssen wir die 45 km Piste wieder zurück und uns einen Schlafplatz suchen. Wir finden denselben in der Nähe von Kirkjubæjarklaustur direkt an der Straße und, mal wieder, an dem recht hübschen Wasserfall Stjórnarfoss (der vergleichsweise natürlich klein ist, aber jeder dieser Wasserfälle würde in Deutschland zu einer Pilgerstätte und Touristenattraktion werden!), zu dem noch ein Abendspaziergang führt.

31.07.

Nach dem Frühstück machen wir uns auf direktem Weg auf der Ringstraße auf zu den berühmten Gletscherseen an der Südseite des Vatnajökull, des größten Gletschers Europas.
Der bekannteste von ihnen, der Jökulsárlón, zieht uns immer wieder magisch an. Große Eisbrocken brechen vom Vatnajökull ab, bilden mit dem Schmelzwasser den Gletschersee und treiben in starker Strömung über die Jökulsá in den Atlantik. Hier liegen die oft meterhohen kristallklaren oder auch bläulich schimmernden Eismassen am Strand oder flachen Wasser und bilden einen tollen Kontrast zum feinsandigen schwarzen Strand.
Wir haben heute erneut Glück: Die Sonne scheint und der Felsen unter dem Vatnajökull hält dunklere Wolken auch die meiste Zeit fest. Durch das Sonnenlicht schimmern die Eisbrocken in vielen Nuancen und die Speicherkarten der Fotoapparate füllen sich.
Allerdings hat es sich hier wie überhaupt vor allem im Süden der Insel so entwickelt, dass die Touristenschwemme an diesen Orten fast Überhand nimmt. Insbesondere Amerikaner und Japaner sind wohl in großer Zahl auf den Geschmack gekommen. Die Vielzahl der Wohnmobile und Busse nimmt den Orten ihr früheres Flair. Wir denken mit Wehmut zurück an unsere erste Islandreise 2007, wo wir auch bei strahlenden Sonnenschein vormittags ganz allein (wirklich keine Menschenseele) am Ufer des Jökulsárlón standen und es so ruhig war, dass wir das Knacken des arbeitenden Eises vom See hören konnten….. Wir sind etwas traurig über diese Entwicklung.
Verstärkt wird das noch, als wir am benachbarten Fjallsárlón sind, der früher nur über eine sehr verborgene Piste überhaupt zu erreichen war und wohin sich nur wenige Touristen fanden, jetzt sogar ein Hotel gebaut wird. Jammerschade.
Dennoch lassen wir uns zu einer Bootsfahrt auf dem Jökulsárlón hinreißen, die wir immer schon mal machen wollten. Hätten wir es mal gelassen. Sie ist übermäßig teuer und man unterstützt dadurch nur noch den dramatisch einziehenden Commerz. Immerhin erfahren wir, dass die tiefste Stelle des Sees 216 m hinabreicht und damit die tiefste Stelle Islands überhaupt ist (steht aber auch im Reiseführer).
Wir wandern noch ein Stück am See entlang Richtung Westen und an dessen anderem Ende ist es dann glücklicherweise doch noch etwas ruhiger, so das man den so schönen Ort besser genießen kann. Schön ist immerhin auch unser Stellplatz für die Nacht auf dem Geröllplateau direkt am Meer gegenüber, der allerdings bis in die späten Abendstunden von Mietwagenscharen frequentiert wird.

01.08.

Heute ist Nationalfeiertag. Wir wachen an einem der schönsten Orte auf, die Island zu bieten hat und haben leider tiefe Bewölkung und den ganzen Vormittag Dauerregen, auch auf dem weiteren Weg Richtung Osten. So stehen wir über eine Stunde an der Ringstraße und hoffen. Dann entscheiden wir uns wetterbedingt aber gegen eine Wanderung zum Vatnajökull, der in tiefen Wolken hängt. Stattdessen hoffen wir im Osten auf besseres Wetter und werden nicht enttäuscht.

Schon auf der Fahrt nach Höfn klart es etwas auf und regnet nicht mehr. Wir besuchen die dortige Gletscherausstellung und machen noch unseren letzten Einkauf. Wider Erwarten hat der Supermarkt am Nationalfeiertag geöffnet.
Höfn lohnt eine kurze Besichtigung. Es bietet eine recht gute Infrastruktur und hier liegt der einzige größere Hafen im Südosten der Insel. Auch der Besuch des Gletschermuseums direkt in der Touristeninformation ist zu empfehlen und zudem kostenfrei. Unter anderem ist ein Film über einen Vulkanausbruch unter dem Gletscher des Jahres 1996 zu sehen.

Unser Weg führt uns weiter an die Ostfjorde heran zum Felsmassiv Vestrahorn. Vor dem Tunnel unter dem Pass Almannaskarð biegt eine Piste zum Cafe Viking ab. Vor den steilen Felshängen wurde ein Wikingerdorf von Hollywood-Machern als Filmkulisse aufgebaut. Nach dessen Besichtigung unternehmen wir eine Wanderung am sehr breiten schwarzen Sandstrand bis zum Leuchtturm. Dieser steht abgesperrt auf dem Gelände einer Radarstation der NATO direkt neben einem Funkmast. Das ist nichts für Fotografen! Aber die Umgebung ist ansonsten recht idyllisch.

Wir ziehen weiter Richtung Nordosten am Meer entlang und finden einen schönen Stellplatz am Parkplatz Hvalnesviti an einer Landspitze, natürlich auch wieder mit Leuchtturm. In den Schlaf wiegt uns später die Brandung, die mit hohen Wellen gegen die Felsküste rauscht.

02.08.

Weitgehend sonniges Wetter begleitet uns heute auf unserem weiteren Weg die Ostfjorde in nördlicher Richtung entlang. Der kleine Ort Djúpivogur ist einen Abstecher wert. Von einer Anhöhe aus kann man den Hafen und das kleine Städtchen, versteckt zwischen hügeligen Lavablöcken, gut überblicken. In der Ferne sieht man die Insel Papey, die besiedelt und per Schiff ebenfalls zu erreichen ist.
Wir folgen aber dem Fjord Berufjörður weiter und finden am inneren Fjordende, ca. 2 km von der Ringstraße entfernt, am Hof Eyjólfsstadir unseren Ausgangspunkt für die Wanderung ins Tal der Wasserfälle (Fossárdalur). Sie führt uns fast 4 Stunden (hin- und zurück) relativ flach im Tal, welches durch Felsen mit stufenartigen Gletscherschrammen umsäumt wird. An deren Rand bilden zahlreiche kleine Wasserfälle den flachen, aber strömungsintensiven Fluss Fossa, den wir entlanglaufen.

Weiter geht es die Ostfjorde entlang. Wir machen Stopp für eines von Annetts obligatorischen Leuchtturmfotos. Schöner als dieser ist jedoch ein Weg über die Klippen, gegen die sich das wilde Meer wirft und eine wunderschöne Brandung mit meterhoher Gischt hinterlässt.
Im Städtchen Breiðdalsvík finden wir einen kleinen Campingplatz, der an einem schönen Hotel mit vielversprechendem Restaurant angeschlossen ist. Wer also vom Camping die Nase voll hat, findet hier eine Alternative. Bei uns ist das jedoch nicht der Fall. Jedoch ist es am Abend bei 12°C draußen nicht recht gemütlich, somit verbringen wir diesen im Auto und nutzen die Zeit zum Schreiben und Sichten der Fotos.

03.08.

Wir erkunden weiter die Ostfjorde an der Küste entlang. Hin und wieder scheint die Sonne, aber es gibt auch kurze Schauer.

Wir machen Halt in Fáskrúðsfjörður am Ende des gleichnamigen Fjords. Am Ortseingang weht die französische Fahne und die Straßennamen gibt es auf Isländisch und Französisch. Damit soll an die 5.000 Franzosen, die jährlich in der Zeit von 1825 – 1914 zum Fischen in die Region kamen, erinnert werden. In einem Museum werden allerlei Erinnerungsstücke aus dieser Zeit gezeigt. Ansonsten wirkt das Städtchen zwischen den Fjordflanken, die von über 1.000 m hohen Lavaschichten gebildet werden, etwas verloren.
Der benachbarte Fjord Reyðarfjörður ist mit 30 km der Längste im Osten. In der gleichnamigen Arbeiterstadt („Alutown“) lebt ein Teil der 1.000 Arbeiter der benachbarten Aluminiumhütte Fjarðaál, für die im Hochland ein eigener Staudamm angelegt wurde und welche die Region industriell am Leben erhält.
Den landschaftlichen Höhepunkt der Ostfjorde erreichen wir danach unserer Meinung nach mit dem Städtchen Eskifjörður und seiner Lage. Der Ort breitet sich dicht an der Wasserlinie unterhalb zerklüfteter Fjordflanken aus. Viele hölzerne Stege und kleine Fischerboote bestimmen das Bild vor der imposanten Erscheinung des gegenüberliegenden Felsens Hólmatindur (985 m). Am Ortsende bilden Walknochen ein Tor. In den Hafen laufen auch heute noch große Schiffe ein, deren Fänge zu Fischmehl- und Öl verarbeitet werden. Auf einer kleinen Landzunge mit Leuchtturm stehen malerisch die Bungalows eines Gästehauses. Zwischen ihnen tollt zu unserer Überraschung ein kleiner Polarfuchs umher, der offensichtlich an Menschen gewöhnt ist.

Das ist die letzte Station unserer Islandreise für dieses Jahr. Am nächsten Morgen geht die Fähre um 10.30 Uhr von Seyðisfjörður zurück und wir müssen nach unseren Unterlagen drei Stunden vorher am Check-in sein. Zum letzten Mal übernachten auf der Insel kurz vor Egilsstaðir im Eyvindardalur.

 

Kurzes Fazit unseres Islandurlaubes im Sommer 2016:

Immer wieder müssen wir darauf hinweisen, dass alles, was wir hier beschreiben aus der Sichtweise von Individualtouristen mit eigenem Offroad-Camper erfolgt.

Die Möglichkeiten und Erwartungen von Pauschalreisenden im Bus, Reisenden im größeren Wohnmobil, im großen Expeditionslaster, auf dem Fahrrad, auf dem Motorrad, zu Fuß, als Tramper oder einfach nur mit dem gemieteten PKW von Hütte zu Hütte unterscheiden sich natürlich erheblich.
Dazu kommt sicher auch unser persönlicher subjektiver Geschmack, der sogar zwischen uns Beiden durchaus unterschiedlich sein kann. Daher ist unsere Beschreibung immer sehr subjektiv und stellt keinerlei allgemeingültige Wertung dar.
Auf jeden Fall mussten wir zu unserem Bedauern feststellen, dass der Tourismus zur Sommerzeit gerade im Süden mit seinen vielen Attraktionen dramatisch zugenommen hat. So war z.B. der Seljalandsfoss bis in die späten Abendstunden hinein mit Touristenbussen nahezu zugeparkt, genau wie der von uns so geliebte Jökulsárlón. Um die Ringstraße im Süden entstehen überall neue Hotels, sogar am sonst so einsamen Fjallsárlón macht die Bauindustrie keinen Halt.
Dafür werden die Campingplätze wenig gepflegt und haben meist ungepflegte sanitäre Anlagen. Früher nur mit einem 4×4 befahrbare Pisten werden asphaltiert, um Bussen und Wohnmobilen den Weg in die (dann ehemals) schönen einsameren Gegenden zu ebnen. Auf der anderen Seite darf man auf der Sprengisandur einem anderen Fahrzeug noch nicht einmal 50 cm zur Seite auf das Geröll ausweichen, was schon als illegales Offroadfahren gewertet wird, weil damit Natur zerstört würde. Für uns eine gewisse Doppelmoral.
Zumindest im Süden zerstört man damit in erheblichen Maße den einstigen Zauber, der die Insel ausmacht: Einsamkeit und Individualität. Natürlich verstehen wir auf der anderen Seite, dass Geld verdient werden muss und das Touristengeschäft, insbesondere mit den gut zahlenden Pauschal- und Hoteltouristen, ausgebaut werden soll. Noch nie haben wir so viele Amerikaner und Japaner auf der Insel gesehen.

Wir empfehlen daher den pistenfähigen Individualtouristen, die vor allem wegen der unberührten Naturschönheiten und der abenteuerlichen Abgeschiedenheit auf die Insel kommen vor allem die Westfjorde, die wir 2012 befahren haben, den Nordosten und die Ostfjorde und vielleicht auch noch den Norden mit Ausnahme der Regionen um die großen Städte; natürlich auch Fahrten durch das Hochland. In diesen Regionen ist die Chance (noch) am Größten, das Island zu erleben, welches wir seit unserer ersten Reise 2007 und in den folgenden Jahren so schätzen gelernt haben.

Kurzes Fazit hinsichtlich unseres Equipments:
Da nun endgültig feststeht, dass wir im nächsten Jahr die Fahrt auf der Panamericana starten werden, haben wir den Islandurlaub ein wenig als Generalprobe für unser Equipment  gesehen. Insofern waren wir mit den meisten Dingen zufrieden.
Der „EC“ macht seine Sache von Motor- und Fahrwerk her mehr als ordentlich, der Einbau einer größeren Versorgungsbatteriekapazität (jetzt über 300 WH) war richtig. Auch ohne Stromanschluss und bei trüben Wetter scheinen wir jetzt bei Tag und Nacht laufendem Kühlschrank für einige Tage autark zu sein.
Wenn wir zwischendurch einige Kilometer fahren, ist das Versorgungsbatteriesystem eigentlich immer voll. Der Umbau auf die leistungsfähigere Lichtmaschine hat sich daher wohl gelohnt.
Die Abkehr vom Gas haben wir nicht bereut und sie macht uns noch unabhängiger. Der eingebaute Dieselkocher im Ausbau macht seine Sache gut, wenn auch eine etwas längere Wartezeit einkalkuliert werden muss, wenn man drinnen kocht. In der Regel kochen wir bevorzugt aber ohnehin lieber draußen mit den beiden genialen kleinen Benzinkochern von Coleman. Beide haben 2.500 Watt, sind auch bei leichtem Wind durchaus zu nutzen (bei stärkerem Wind ist ein Windschutz notwendig) und machen das Kochen und Braten zu einer flotten Sache. Wir haben jeden Tag morgens und abends gebraten oder gekocht und während der drei Wochen mit beiden Kochern zusammen etwa 4 Liter Benzin verbraucht. Gibt es an jeder Tankstelle.
Der neue feste Deckel auf der Dachbox hat sich ebenfalls bewährt, kann allerdings vom Handling noch verbessert werden. Nach der Festverschraubung an den Airlineschienen und Silikonabdichtung scheint die Box jetzt wasserdicht zu sein, was wir zuhause noch genau kontrollieren müssen.
Einigen kleine Verarbeitungsschwächen an der Motorhaube und Störungen in der Mechanik der Rückfahrkamera (möglicherweise durch die Erschütterungen auf den Wellblechpisten) müssen wir noch nachgehen.
Insgesamt überwiegt jetzt Optimismus. Mal sehen, wie sich das Auto im Winter schlägt….. und dann geht es endlich richtig los….