Reisevorbereitungen

Nachdem der alles entscheide und wichtigste Schritt, nämlich die Entscheidung: „Wir machen das“, gefallen ist, geht es an die Reisevorbereitungen.

Wir verzichten an dieser Stelle bewusst auf sehr konkrete Details (z.B. Lage in den einzelnen Ländern etc.). Die Gegebenheiten ändern sich ständig und sind auf den offiziellen Seiten des Auswärtigen Amtes aktuell dargestellt. Bei Fragen kann sich aber jeder gern an uns wenden.

Unabdingbar um alle zu klärenden Punkte im Auge zu behalten, ist eine To-do-Liste. Ansonsten verliert man schnell die Übersicht. Was für eine Freude, wenn ein Punkt erledigt ist. Allerdings kommen in der Regel dann drei neue Punkte hinzu. Aber irgendwann ist hoffentlich alles abgearbeitet und wir können uns beruhigt in das große Abenteuer stürzen. Mit der Abarbeitung der Aufgaben sollte mindestens ein halbes Jahr vor dem geplanten Reiseantritt, lieber früher, begonnen werden.

Information von Verwandten, Freunden und Kollegen

Hier sind der Zeitpunkt und das Zeitfenster wichtig. Wir haben versucht, alle zu informieren, bevor sie es aus „zweiter Hand“ erfahren oder, verbunden durch das Aufgeben unserer Jobs, selber bemerken, dass etwas „nicht stimmt“. Informiert man aber die Einen, dann sollte man das mit den Anderen nicht lange verschieben, denn solche Dinge bleiben nicht lange unter dem „Mantel der Verschwiegenheit“. Natürlich ist es eine Entscheidung von und für uns, diese Reise zu unternehmen. Schließlich ist jeder selbst für sein Leben verantwortlich und das, was er daraus macht. Dennoch hatten auch wir einige Bedenken, wie die Reaktionen darauf sein werden. Die meisten unserer Verwandten, Freunde und Kollegen reagierten mit einem Spektrum von „cool“, „beneidenswert“ bis „das finden wir toll, aber selber würden wir das nicht machen“. Letztendlich zeigten alle (zumindest uns gegenüber) Verständnis für unsere Entscheidung.

Schwieriger fiel uns die Information der Eltern. So fiel auch erwartungsgemäß deren Reaktion von absoluter Ablehnung und „in der Zeit sterben wir“ bis zu „hoffentlich passiert euch nichts und ihr kommt gesund wieder“ sehr unterschiedlich aus. Das Eltern Angst um ihre „Kinder“ haben, ist normal, dennoch sollten sie damit einverstanden sein, dass diese ihren Weg gehen. Jeder der uns kennt, weiß, dass wir in der Regel gut überlegt handeln und sicherlich nicht leichtfertig gefährliche Situationen heraufbeschwören werden.

Es ist uns nicht leichtgefallen, auf anfängliche unsachliche Meinungsäußerungen gelassen zu reagieren und diese richtig einzuordnen. Dennoch haben wir uns dadurch nicht von unserem Plan abbringen lassen.

Planung zur Beendigung der Jobs

Ein Sabbatical kam für uns beide nicht in Frage. Ralf war selbstständig. In der Firma von Annett bestand dafür nicht die Möglichkeit. Deshalb gab es nur die Entscheidungen Aufgabe der Selbständigkeit und Kündigung des Jobs.

Natürlich fällt es schwer, eine Selbständigkeit mit nicht geringen materiellen und ideellen Bindungen aufzugeben. Das muss gut geplant und überlegt sein. Aber auch Arbeitsverträge mit für den Laien schwer verständlichen Kündigungsfristen, können Schwierigkeiten bereiten. Also auch für Angestellte gilt der Rat: Nach dem Treffen der Entscheidung zur Berufspause Arbeitsvertrag und Kündigungsfristen rechtzeitig genau abchecken lassen. Manchmal erlebt man ungewollte Überraschungen.

Wir empfehlen zudem, nicht bis zum Beginn der Reise „durchzuarbeiten“, sondern diese einige Monate davor zu beendigen, wenn das aus wirtschaftlicher Sicht möglich ist. Diese Zeit wird für eine geordnete Vorbereitung benötigt und auch um mental aus dem stressigen Arbeitsalltag auszusteigen und sich auf die Reise einzustellen.

Wie es nach unserer Reise beruflich weitergehen wird, wissen wir nicht. Wir machen uns jetzt aber auch keine Gedanken darüber. Irgendwie werden wir eine gute Lösung finden.

Ausrüstung für unterwegs

Bereits vor unserer Schottlandtour 2014 starteten wir damit, den Landcruiser für mögliche Langzeitreisen umzubauen und haben dies bis 2016 aus der Erfahrung heraus weitergeführt. (siehe unter „DER EXPEDCRUISER („EC“). Die Ausrüstungsgegenstände im Fahrzeug für die Reise im Detail aufzuführen, würde den Rahmen dieses Beitrages sprengen. Zudem wird sich gerade die Ausrüstung nach den individuellen Bedürfnissen und Gewohnheiten und vor allem nach den Platzverhältnissen deutlich unterscheiden. Wir werden auf die wichtigsten und nützlichsten Dinge, die sich für uns auch dauerhaft bewähren, während der Schilderung der Tour noch näher eingehen.

Da es jedoch unterwegs nicht immer leicht sein wird, Ersatzteile für das Fahrzeug zu beschaffen, ist es wichtig, in Deutschland einen Bekannten oder eine Werkstatt zu haben, um sich ggf. Ersatzteile schicken zu lassen. Dafür müssen die entsprechenden Bezugsquellen und die Fahrzeugdaten bekannt sein.

Reifenpanne in Namibia

Da deutsche Nummernschilder gern als Souvenir genutzt werden, lassen wir zwei zusätzliche Nummernschilder anfertigen. Man weiß ja nie! Um das Entfernen unserer Nummernschilder zu erschweren, werden diese zumindest noch angeschraubt.

Dokumente

Wir haben uns neue Reisepässe mit 48 Seiten ausstellen lassen. Außerdem haben wir jeweils einen 2. Reisepass beantragt. Wenn als Grund für die Ausstellung eine Weltreise angegeben wird, ist das kein Problem.

Spätestens vor solch einer Reise ist es erforderlich, seinen alten rosafarbenen Führerschein in das Scheckkartenformat umzutauschen. Ansonsten wird kein internationaler Führerschein ausgestellt, der aber auf jeden Fall mitgenommen werden sollte.

Mitzuführen ist ebenfalls die nationale Zulassung für das Fahrzeug. Wir lassen das Fahrzeug in Deutschland angemeldet, damit es bei der späteren Einreise keine Schwierigkeiten gibt. Wir haben verschiedene Meinungen und Vorgehensweisen zu diesem Thema gehört, haben uns aber letztendlich so entschieden.

Nach dem Vorbild anderer Weltenbummler haben wir uns einen internationalen Zulassungsschein für das Fahrzeug ausstellen lassen. In diesem sind wichtige Fahrzeugdaten in verschiedenen Sprachen erfasst. Ob wir diesen benötigen werden, wissen wir nicht. Jedoch sind offizielle Dokumente mit Stempel und Unterschrift insbesondere in Südamerika sehr beliebt und auf ein Dokument mehr kommt es nicht an.

 

 

 

Wichtig sind gegenseitige Vollmachten, z.B. für den Krankheitsfall. Wir haben außerdem eine Vollmacht für das Führen des Fahrzeuges erstellt, damit nicht nur der Fahrzeugeigentümer dazu berechtigt ist. Außerdem erforderlich, sind Vollmachten für eine Vertrauensperson in Deutschland, die ggf. auch notariell beglaubigt werden sollten (siehe Heimatbasis).

Alle wichtigen Dokumente haben wir in der Cloud digital gespeichert sowie kopiert und laminiert.

Versicherungen

Alle bestehenden deutschen Versicherungen sollten frühzeitig überprüft, ggf. geändert oder gekündigt werden. Unfallversicherungen sind bspw. nicht immer weltweit gültig oder sichern nur eine bestimmte Dauer ab. Bei der Privathaftpflicht sollte darauf geachtet werden, dass die Schadensersatzansprüche in den USA enorm sind. Auch hier ist ggf. eine Anpassung der Deckungssummen erforderlich.

Unumgänglich ist der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung, z.B. beim ADAC oder bei PROTRIP. Hier sollte jeder überlegen, ob ggf. zwischendurch ein geplanter Aufenthalt in Deutschland mitversichert werden soll. Wir haben uns letzten Endes für die PROTRIP entschieden. Vier Wochen Heimaturlaub werden mitversichert. Ohne Probleme haben wir die Versicherungsscheine auch in Englisch und Spanisch erhalten. Da die Versicherung für Kanada und die USA sehr hoch ist, haben wir diese in zwei Teile trennen können. Das heißt, nachdem wir die USA verlassen, werden die Kosten für die Krankenversicherung günstiger.

Die deutsche Krankenversicherung kann in der Zeit ruhen oder auf Anwartschaft gestellt werden. Bei gesetzlich Versicherten ist bei Vorlage einer Auslandskrankenversicherung eine Kündigung möglich. Nach Rückkehr aus dem Ausland muss einen jede gesetzliche Krankenversicherung wiederaufnehmen.

Für Kanada und die USA muss vorab unbedingt eine Haftpflichtversicherung für das Fahrzeug abgeschlossen werden. Ansonsten kommt dieses nicht durch den Zoll. Hier ist das rechtzeitige Einholen von Angeboten sehr wichtig. Es gibt wenige Anbieter mit deutlichen Preisunterschieden. Abgesehen von den Preisen, scheinen die Versicherungen nicht sehr motiviert zu sein, Verträge für deutsche Fahrzeuge abzuschließen. Ohne ständiges Nachfragen haben wir keine Angebote erhalten. Es scheint auch so, als würden sich sowohl der Umgang mit den Kunden als auch die Kosten der Policen sogar über Monate deutlich verändern, vergleicht man die Berichte aus anderen Blogs.

Sobald wir uns endgültig für eine Versicherung entschieden haben, werden wir hierzu noch Konkreteres schreiben, da die aktuelle Situation auf dem Autoversicherungsmarkt für andere Amerikareisende interessant sein könnte.

Update am 04.03.17:  Wie angekündigt, wollen wir über unsere Erfahrung mit dem Abschluss einer Autoversicherung für Kanada und die USA berichten. Da die Informationen doch etwas umfangreicher sind, haben wir dazu einen Extrabeitrag geschrieben. Dieser ist hier zu finden.

Verträge

Frühzeitig sollte man sich um Kündigungsfristen für Verträge (Versicherungen, Miete, Telefon, Strom,…) kümmern, da diese zum Teil sehr unterschiedlich sind.

Impfungen

Entsprechend den Empfehlungen muss mit allen notwendigen Impfungen frühzeitig begonnen werden. Diese sollten natürlich idealerweise bis zum Ende der geplanten Reise gültig sein und der entsprechende Eintrag im Impfausweis erfolgen. Gegen Malaria nehmen wir eine Grundausstattung an Standby-Medikamenten für einen Therapiebeginn mit. Das wird Malarone sein, da wir damit in der Prophylaxe von der Verträglichkeit her gute Erfahrungen gemacht haben.

Einreise

Für uns erfolgt die Einreise auf dem Luftweg nach Kanada. Aus diesem Grund benötigen wir vorab eine elektronische Einreisegenehmigung (eTA-Verfahren – Electronic Travel Authorization). Die genaue Vorgehensweise ist auf den Seiten des Auswärtigen Amtes beschrieben. Die Beantragung ist unkompliziert und innerhalb kurzer Zeit erhält man eine Mitteilung über die Erteilung oder Nichterteilung der Einreisegenehmigung. Wie in den USA besteht auch hier kein Anspruch auf Einreise. Diese Entscheidung liegt beim jeweiligen Grenzpersonal.

Für einen Aufenthalt bis zu 6 Monaten ist kein Visum erforderlich.

Die Verschiffung des Fahrzeuges erfolgt über Seabridge. Die Buchung erfolgte problemlos. Wichtig ist, sich frühzeitig um einen Flug zu kümmern. Beides sollte zeitlich zusammenpassen.

Da wir etwas früher in Halifax sein werden als unser Fahrzeug, haben wir über Airbnb eine Unterkunft in Halifax gebucht. So bietet sich für uns von Anfang an die Möglichkeit mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Wer Airbnb nicht kennt: Über diese Plattform vermieten Privatpersonen in der ganzen Welt Häuser, Wohnungen und Zimmer. Zum Teil wohnen diese Personen selbst in diesen Unterkünften.

Sprachkurse

Wir nutzen die Zeit zwischen der Beendigung unserer Jobs und dem Antritt der Reise, um unsere Kenntnisse in Englisch deutlich zu verbessern und einen Anfängerkurs in Spanisch zu belegen. Für Ersteres machen wir getrennt einen individuellen Sprachkurs, der sehr intensiv ist.

Den Anfängerkurs in Spanisch wollen wir gemeinsam belegen und die Kenntnisse später, wahrscheinlich in Mexico, weiter ausbauen. Insbesondere an Grenzen oder bei Polizeikontrollen erscheint es uns unabdingbar, sich wenigstens in Grundlagen verständigen zu können. Aber auch um mehr über das Leben der Menschen in den einzelnen Ländern zu erfahren, sind Sprachkenntnisse sehr nützlich.

Aufgeben der Wohnung und Unterbringung der persönlichen Gegenstände

Wer zur Miete wohnt, der hat vor allem auf die rechtzeitige Kündigung der Wohnung zu achten. Natürlich fällt auch das nicht so leicht, wenn man sich dort wohlfühlt. Doch aus Kostengründen ist eine Weiterzahlung der Miete nicht sinnvoll. Eine Untervermietung für einen begrenzten Zeitraum ist häufig ebenfalls kaum möglich. Also versuchen wir, für unsere Habseligkeiten eine freie „Lagerbox“ zu finden, was sich in unserer Region als schwierig erweist, zumindest in der von uns benötigten Größe. Die Wartezeit beträgt mehrere Monate. Also auch hier gilt: Bei Bedarf rechtzeitig erkundigen und ggf. auch ein paar Monate vorher anmieten, wenn die Gelegenheit da ist. Günstiger ist es in jedem Fall, wenn man die Möglichkeit hat, die Möbel bei Bekannten unterzustellen oder sich dafür entscheidet, alles zu verkaufen.

Heimatbasis

Es besteht sowohl die Möglichkeit, in Deutschland angemeldet zu bleiben als auch sich abzumelden. Eine Abmeldung bringt aber einige Nachteile mit sich, die wir nicht in Kauf nehmen wollen. Hier muss geprüft, ob man bei den Eltern oder Freunden „unterkommen“ kann. Dabei ist zu beachten, dass nach wie vor die Regelung zur Ausstellung einer Vermieterbescheinigung bei Aus- bzw. Einzug gilt. Ohne diese kann keine Ummeldung erfolgen.

Wichtig ist außerdem, eine Vertrauensperson zu finden, welche die Post entgegennimmt, diese einscannt und ggf. per mail an uns weiterleitet.

Inwieweit auch Vollmachten über Konten, Steuerangelegenheiten, andere finanzielle und administrativen Dinge über diese Person laufen, muss nach Bedarf und Möglichkeit entschieden werden. Auch der Zugang zu den persönlichen Dingen (in unserem Fall der Lagerbox) sollte geklärt werden.

Routenplanung

Ganz wichtig in Vorbereitung auf die Reise, nicht nur für die Route, ist der Kontakt zu anderen Weltenbummlern. Durch diese erhalten wir wertvolle Tipps zu allen Themen. Wir müssen über Dinge nachdenken, die wir vorher nicht bedacht haben. Aber natürlich gibt es auch viele Hinweise, was wir uns unbedingt ansehen müssen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Marion und Michael (zur Zeit unterwegs in Afrika) und Sylvia und Paul (zur Zeit unterwegs in Mexico).

Da wir etwa 17 Länder bereisen werden, ist es unmöglich und nicht wirklich sinnvoll, eine komplette Route zu erstellen. Dennoch möchten wir schon wissen, was für Sehenswürdigkeiten an der Strecke liegen. Obwohl wir uns eine Vielzahl an Reiseführern beschaffen, orientieren wir uns vorerst an den Reiseberichten von anderen Weltenbummlern, welche die Panamericana bereist haben. Alle Sehenswürdigkeiten, die für uns von Interesse sein könnten, werden in Landkarten vermerkt. Eine genauere Planung erfolgt dann unterwegs. Da werden auch die Reiseführer zum Einsatz kommen und vor der Einreise in ein bestimmtes Land wird die Route festgelegt. Aber trotzdem ist es auch dann noch möglich, dass sich Änderungen ergeben werden. Sicherlich treffen wir unterwegs weitere Reisende, die wertvolle Tipps haben oder die derzeitigen aktuellen Situationen erfordern eine Änderung der Strecke.

Routenplanung