Unser Auto ist (erst mal) weg… Oder?

Die letzten Wochen waren turbulent, aber größere Abweichungen von unserem Plan sind zum Glück ausgeblieben. Etwas unruhig werden wir, nachdem wir bei anderen Reisenden, die ebenfalls ihr Fahrzeug im April verschiffen wollen, lesen, dass deren Schiff defekt und somit nicht losfahren kann bzw. das Schiff ca. eine Woche Verspätung hat, da auf der vorhergehenden Route größere Unwetter waren. Nach einem Anruf bei Seabridge kurz vor Ostern können wir erleichtert aufatmen. Unser Schiff soll pünktlich sein…

Die Anreise nach Hamburg ist nicht so entspannt, z.T. gibt es heftigen Regen und Schneeschauer. Wir sind schon in der Nacht losgefahren, da wir um 9.00 Uhr einen Termin in einer Hamburger Waschstraße haben. Insbesondere der Unterboden und der wachsvermischte Schmutz in den Radkästen sollen vor Abgabe des Autos noch entfernt werden. Die Kanadier sollen vor allem Geländewagen und ältere Fahrzeuge verstärkt auf Verschmutzungen in diesen Bereichen kontrollieren (Einschleppen der Maul- und Klauenseuche). Wir bezweifeln den Sinn dieser Sache, aber na ja, das Verlangen einer gewissen Grundreinheit ist sicher in Ordnung. Wir wollen da auf Nummer sichergehen und Ärger vermeiden. Der Serviceleiter der Anlage macht die Reinigung selbst und es ist gut, dass Ralf die 2,5 Stunden danebensteht und auf bestimmte Stellen hinweist. 5 – 6 mal werden die Radkästen und der sichtbare Teil des Rahmens mit Reiniger aufgeweicht und mit Hochdruckstrahl nachgewaschen, um den mit der Unterbodenpflege vermischten Schmutz (keine Erdklumpen, aber wirklich eine Dreckschicht) weitgehend zu entfernen. Das hätte die wohl auch geplante Unterbodenreinigung im Hafen (für die es ein Zertifikat geben soll) nie und nimmer geschafft. Bei Wohnmobilen, die nur auf der Straße fahren, ist dieses Problem sicher zu vernachlässigen. Bei Offroadern, die schon im Geländeeinsatz waren, empfehlen wir auf jeden Fall diese gründliche Reinigung. Die Unterbodenpflege, die damit z.T. dran glauben muss, wollen wir in Kanada dann wieder aufbringen….

Zum Glück wird das Wetter besser und wir bringen das Auto am nächsten Tag bei Sonnenschein, aber nur 5°C in den Hafen. Wir stehen Punkt 8.00 Uhr am O‘Swaldkai. Trotz Baustellen und Umleitungen kurz vor dem Hafen haben wir dank des Navigationssystems gut hingefunden. Vorbildlich, wie in der Beschreibung gefordert, ziehen wir unsere Warnwesten an und betreten das Bürogebäude. Wir kommen kaum zum Luft holen, denn nicht mal eine Minute nach dem Ziehen der Nummer im Warteraum werden wir schon aufgerufen. Keine 2 Minuten später halten wir die Papiere in der Hand. Jetzt darf nur noch Ralf auf das Gelände. Annett darf zumindest im warmen Warteraum bleiben.

Das Abgeben des Autos hinter den Hafenschranken ist dann auch schnell erledigt. Ein netter Hafenarbeiter besichtigt das Auto kurz von außen, notiert sich einige bei Offroadern unabdingbare Kratzer und es wird ein Schadensprotokoll erstellt. Das Abbauen der Nummernschilder wird auch im Hafen nochmals empfohlen und so macht Ralf das dann auch. Wir werden sie später im Handgepäck oder Koffer mitnehmen. Im Fahrerhaus gibt es keine Teile mehr, die Begehrlichkeiten auslösen könnten. Radiofront und Bildschirm der Rückfahrkamera sind abgenommen, alle Kabel (Navi u.a.) abgebaut, alle Fächer leer. Schon zuhause haben wir mit speziell angefertigten Sperrholzplatten das Fahrerhaus von der Kabine getrennt, so dass diese nur durch Gewalt zu betreten wäre. Nur der Schlüssel zum Fahrerhaus wird dann auch beim Hafenpersonal abgegeben. Wir erhalten einen Frachtschein und die Kopie vom Schadensprotokoll und das war‘s. Keiner interessiert sich dafür, was sich in der Kabine befindet, ob diese nun „sichtleer“ ist, wie gefordert, oder nicht. Keiner fragt nach zu verzollenden Dingen o.ä.. Nachdem alles erledigt ist, laufen wir in nicht mal 15 Minuten vom Hafen zur S-Bahn und wir nutzen den Tag, um uns noch Hamburg anzuschauen.

Just gegen Mittag, als wir entspannt eine Hafenrundfahrt starten wollen, erreicht uns eine Mail von Seabridge, in der uns mitgeteilt wird, dass unser Schiff, die Atlantic Cartier 7225, Verspätung von der vorherigen Fahrt hat. Die Reederei versucht, durch Fahrplanumstellungen diese wieder etwas einzuholen. Daher wird das Schiff nun erst am 26. April, und nicht wie geplant am 22. April, von Hamburg abfahren. Wir könnten das Fahrzeug weiterhin diese Woche abgeben oder spätestens am 24. April anliefern. Seabridge hätte selbstverständlich mit der Reederei abgeklärt, dass uns durch die längere Standzeit keine zusätzlichen Hafengebühren in Hamburg entstehen. Aktuell sei die erwartete Ankunftszeit des Schiffes in Halifax der 09. Mai. Aha! Also auch bei unserem Schiff eine Verspätung. Eigentümlich, dass diese erst 3 Tage vor geplanter Abfahrt des Schiffes bekanntgegeben wird. Das verstehen wir nicht. Die Verspätung eines Schiffes, dass offenbar schon einige Tage später losfährt ist doch mit Ansage… Oder? Die Verspätungen, die laut Seabridge selten vorkommen sollen, scheinen wohl mittlerweile eher die Regel zu sein, zumindest in den letzten Wochen. Gut, wir können es nicht ändern. Das Auto wird dann wohl mindestens 4 Tage länger im Hafen warten müssen…. und wir länger in Halifax. Schauen wir mal, welche Überraschungen uns diesbezüglich noch erwarten.